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Ingelheim in der Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges 1933 bis 1945


Autor: Hartmut Geißler
(Diese Epoche mit ihren Spezialseiten ist noch im Aufbau.)


Die Geschichte Ingelheims in den 12 Jahren der nationalsozialistischen Herrschaft - ein noch kürzerer Zeitraum als der der "Weimarer Republik" - unterscheidet sich nicht wesentlich von der Geschichte anderer deutscher Orte zu jener Zeit.

Zur Quellenlage siehe die Angaben zur Literatur! Nachdem jetzt (November 2011) die Projektgruppe unter Prof. Kißener und Hans-Georg Meyer ihre Arbeit mit Ausstellung und Publikation abgeschlossen hat, werden in der nächsten Zeit die Themenseiten allmählich ergänzt werden.


Folgendes lässt sich allgemein über die Zeit des Nationalsozialismus in Ingelheim feststellen:

Auch in Ingelheim ...

- ergriffen die Nazis Anfang 1933 alle politische Macht, setzten sie die bisherigen Kommunalpolitiker ab, "schalteten" sie die Gemeindevertretungen "gleich" und formten sie sie bis zur Bedeutungslosigkeit um;

- verfolgten sie politische Gegner bis zur Haft in KZs und bis zu ihrer Ermordung;

- "schalteten" sie das gesamte gesellschaftliche Leben, vor allem das Vereinsleben, "gleich";

Hitlerjugend ist vor dem Nieder-Ingelheimer Rathaus angetreten; Repro einer fotografischen Platte des Hist. Vereins; Posch/Geißler
NS-Versammlung auf dem "Thingplatz" in Ober-Ingelheim hinter der Burgkirche;Repro einer fotografischen Platte des Hist. Vereins; Posch/Geißler

- gestalteten sie die Landwirtschaft nach ihren Vorstellungen um, insbesondere durch das "Reichserbhofgesetz" vom 29.09.1933 und die Einrichtung des "Reichsnährstandes" vom 13.09.1933;

auch hier...

- wurden Juden zuerst diskriminiert, dann aus dem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben verdrängt, finanziell ausgeplündert und enteignet, ins Exil vertrieben und schließlich die letzten 17 Verbliebenen am 20.09.1942 in die Vernichtungslager im Osten deportiert;

- wurde die Synagoge (in Ober-Ingelheim) 1938 zerstört;

Damit wurde das beachtliche jüdische Gemeindeleben, das es seit Jahrhunderten in Ingelheim gegeben hatte, ausgelöscht.


Auch von hier ...

- wurden Sinti deportiert und ermordet;

auch von hier ...

- wurden Behinderte zwangssterilisiert und ermordet;

auch hier ...

- wurden viele Kriegsgefangene, Fremdarbeiter und Zwangsarbeiter beschäftigt;


auch hier ...

- erlitten viele Familien Verluste durch die Gefallenen des Krieges und die in Gefangenschaft Verstorbenen;

- gab es Opfer des Bombenkrieges, wenn auch nicht viele;

- litt die Bevölkerung ganz allgemein unter Diktatur und Krieg.


Drei Ereignisse sind von nachhaltiger Bedeutung für Ingelheim gewesen:

1. Durch einen Erlass des "Reichsstatthalters" Jakob Sprenger in Darmstadt wurden die beiden Ingelheim (und Frei-Weinheim) im Jahre 1938 sozusagen von oben zur "Stadt Ingelheim am Rhein" vereinigt. Rechtskräftig wurde die Vereinigung, um die seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts immer wieder erfolglos gestritten worden war, zum 1. April 1939. Diese Vereinigung wurde durch den frei gewählten Nachkriegsstadtrat am 15. Januar 1947 demokratisch bestätigt.

2. Durch das mutige Eingreifen des Volkssturmkommandanten Hermann Berndes wurde eine an sich befohlene militärische Verteidigung Ingelheims gegen die vorrückenden US-Truppen im April 1945 nicht durchgeführt, so dass der Stadt wahrscheinlich größere Kampfhandlungen und Zerstörungen erspart blieben. Die Ingelheimer Bausubstanz blieb also weitestgehend erhalten, was die Voraussetzung dafür war, dass einige Professoren der 1946 von den Franzosen neu gegründeten Mainzer Universität, die im stark zerstörten Mainz selbst keine Wohnung fanden, nach Ingelheim zogen und dem Ingelheimer Nachkriegsleben ganz erhebliche kulturelle Impulse verliehen. Außerdem konnte die Ingelheimer Industrie, insbesondere die Firma Boehringer, aufgrund der nur geringen Zerstörungen nach dem Kriege weiter produzieren und damit Arbeitsplätze in Ingelheim erhalten bzw. neue schaffen.

3. Seit der Nazizeit gibt es keine Synagoge und kein jüdisches Gemeindeleben mehr in Ingelheim.

 

Gs, erstmals 08.03.08; Stand: 23.04.12