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Philipp von Ingelheim


gefallen in der Schlacht bei Bulgnéville/Lothringen am 2. Juli 1431

Autor und Foto: Hartmut Geißler
Zur Schlacht bei Bulgnéville


Philipps Epitaph in der Burgkirche:


Text der Umschrift
- unter Zuhilfenahme von Helwich

oben: * anno * dm [= domini] * mcccc * xxxi * in / Im Jahre des Herrn 1431 am ...

rechts: ... die * vistaconis [= visitationis] * marie * vir(gi)nis * succubuit * in * bello * baren[si?] ... ...Tage der Heimsuchung der Jungfrau Maria [= 2. Juli] fiel im Krieg von Bar...

unten: Helwich und Rauch; Kunstdenkmäler, lasen die Schrift unten, die auf dem Kopf steht und heute fast völlig verdorben ist, von rechts nach links als: strenuus vir domi(n)us ... der tüchtige Mann, Herr ...

links: ... philippus * de * yngelnheym * miles * ... Philipp von Ingelheim, Ritter

Anschließen müsste sich hier die übliche Fürbittenformel, also etwa "requiescat in pace" (wie bei seiner Frau Mia), die bei Philipp fehlt, obwohl genug Platz dafür vorhanden wäre. Wahrscheinlich aber galt die Fürbittenformel auf dem Epitaph seiner Frau, das ursprünglich wohl direkt neben dem seinen gestanden hat, für beide gemeinsam.

Dass die Umschrift zu Füßen des/der Bestatteten sozusagen auf dem Kopf eingemeißelt war, ist völlig üblich für Grabplatten jeder Zeit, die entweder als Deckplatte für eine Tumba dienten oder gleich als Epitaphien für die Anbringung an einer Wand vorgesehen waren. Bei diesen liest man die Umschrift ringsum sozusagen vom Zentrum der Platte nach außen, während die Steinmetze sie wahrscheinlich von außen nach innen, also "auf dem Kopf" anbringen mussten, was wohl manche Fehler erklärt.

Philipp steht - wie bei den anderen Ritter-Epitaphien und dem seiner Frau Meygen ("Mia", früher "Ima") - auf einem Tier, hier ein Doppeltier mit einem Kopf, auf einem Drachen? Dies war ein verbreitetes fürstliches Würdemotiv, für das es zwei Erklärungen gibt: einmal den Hund als Symbol der Treue und zum anderen die Erklärung nach Psalm 91,13 „…und du wirst treten auf junge Löwen und Drachen“.

Vorn in seinem Helm ist ein Loch zur Anbringung eines naturalistischen Helmbusches gebohrt, der selbst nicht mehr erhalten ist. Stolz präsentiert er sein Schwert als Zeichen seiner vollwertigen Ritterschaft; d. h. er war nicht nur ein "Edelknecht", was auch der Begriff "miles" (="Ritter"), das letzte Wort auf der Umschrift, unterstreicht.

Sein Epitaph ist besonders sorgfältig und aufwändig gestaltet, es gibt alle Einzelheiten seiner Kleidung und Rüstung bis zum Pelzbesatz, den Schnürbändchen auf der Brust und den modischen Falten des Ärmelinnenfutters wieder (sog. "Zatteltracht", eine Mode, bei der die männliche Bekleidung in lange Zacken oder Streifen ("Zatteln") geschnitten oder mit Zatteln besetzt war.)

Bei seine Aufstellung war es wie die anderen Epitaphien bunt bemalt.

Im Januar 1615 stand sein und seiner Gattin Mia Epitaph nach Helwich, S. 358 und 360, "ante chorum a dextris", vor dem Chor auf der rechten Seite, und zwar nach anderen neun Familienmitgliedern, d. h. wahrscheinlich im südlichen Seitenschiff, und zwar in der Reihenfolge Hans-Philipp-Mia (so Helwich). Sie standen damals also nicht im Chor wie 1934, als Rauch sie beschrieb, aber auch nicht voneinander getrennt wie heute - leider - unter der West-Empore.

Ob Philipps Leichnam in Lothringen bestattet wurde, was wahrscheinlich ist, oder in die Ingelheimer Kirche überführt wurde, ist nicht bekannt.

Einige biographische Angaben zu der Familie derer von Ingelheim

Zusätzliche Angaben, hauptsächlich aus Echters Stammbaum:

Er war Sohn des gleichnamigen Philipp von Ingelheim, der "Burggrav von Leyen", Ritter und Schultheiß von Ingelheim war, und dessen Gemahlin Anna von Albig.

1416 erhielt Philipp von Ludwig III. v. d. Pfalz den "neuen Werth" bei Ingelheim als Lehen und 1430 verschiedene Lindenfels'schen Lehen des Klosters Lorsch.

Er gehörte zum Kreis der Räte des Kurfürsten, war von 1423-1431 (?) Burggraf zu Bacharach (Brandenstein, S. 419) und wurde 1427 Nachfolger seines Schwiegervaters Henne von Werberg als Viztum zu Neustadt an der Weinstraße, einem wichtigen pfälzischen Oberamt (Brandenstein, S. 342 und 424).

Philipp heiratete 1416 (Johannetta) Meygen (Marie) Werberg von Lindenfels und hatte mit ihr mindestens fünf Kinder: Jacob, Philipp, Hans, Friedrich (Komtur des Deutschen Ordens zu Aachen), eine Tochter mit unbekanntem Namen und Elisabeth. Zwei seiner Söhne waren nach Loersch, S. 528, Schöffen am Ingelheimer Reichsgericht: Philipp und Hans von Ingelheim. Er selbst war anscheinend niemals Ingelheimer Schöffe oder Schultheiß.

 

Gs, erstmals: 27.11.08; Stand: 30.01.12