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Die Pestalozzi-Schule und die alte evangelische Schule in Nieder-Ingelheim


Autor: Hartmut Geißler

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Der Mittelbau der Pestalozzi-Schule - ohne Foto - wurde von 1880 als einstöckiges Gebäude für die Schüler der Klassen 1 bis 4 eingeweiht, während die älteren Schüler weiterhin die konfessionellen Volksschulen besuchten (die Klassen 5 und 6 die evangelische Schule neben dem heutigen Museum - s. u. -, die Klasse 7 die katholische Schule unterhalb der Remigiuskirche).

1910 unterrichteten 11 Lehrer 11 Klassen mit insgesamt 650 Schülern, d. h. 50 bis 60 Schüler in einer Klasse. Bild unten: das alte Lehrerhaus davor

Der Hof zum Ochsen, im 18. Jh. Wohnhaus des Generalwachtmeisters Otto von Cloß, zum Zeitpunkt der Aufnahme (vor 1912) Lehrer-Wohnhaus für die dahinter schon im ersten Bauabschnitt fertiggestellte Pestalozzischule. Foto aus dem Archiv des Hist. Vereins/Gs

1912/13 wurde dieses alte Lehrerhaus an der Straße abgerissen, um den Vorderbau mit Turnhalle (Bild unten) für weitere 8 Klassen zu errichten. In seinem Keller wurde ein Volksbad eingerichtet.

Als Architekten für die neue Schule hatte die Gemeinde den renommierten Leiter der Landesbaugewerbeschule in Darmstadt verpflichtet, Hans Baptist Becker, der stark vom Einfluss des Darmstädter Jugendstiles und der Reformarchitektur geprägt war. An Schulen baute er in der Ingelheimer Nachbarschaft auch die Volksschule in Gau-Algesheim und das Lyzeum der Englischen Fräulein in Bingen, die "Hildegardisschule".

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zwischen den zwei wuchtigen Säulen des Eingangsportals wurde ein Kopf Pestalozzis angebracht und über dem Portalbogen ein Relief mit Kindern, einem Bienenkorb und Früchten - Symbole des Fleißes.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In der pfeilergestützten Innenhalle (rechts) fällt der Blick sofort auf einen aus Marmor gestalteten Wandbrunnen. Treppen führten aus dieser Eingangshalle hinunter zum Volksbad.

Schon beim Bau der Schule war kritisch angemerkt worden, dass sie an dieser Stelle zu wenig Platz für Erweiterungen hätte; und tatsächlich mussten alle Erweiterungsbauten bis in die jüngste Zeit nach hinten den Hang hinauf angefügt werden. Im Jahre 2012 werden die letzten Klassen der "Realschule Plus", die seit 2010 dort untergeracht sind, in ihren Neubau am Gänsberg umziehen und dieser Vorderbau wird wahrscheinlich für andere Zwecke umgebaut werden (Stadtarchiv, Forschungsstelle Kaiserpfalz u.ä.).

Die Pestalozzi-Grundschule bleibt in den dahinter liegenden, modernen Gebäuden.


Die alte (evangelische) Schule von 1828 (Bild unten), die noch mit einfachen landwirtschaftlichen Gebäuden zur ergänzenden Lehrerversorgung verbunden, aber dem Schüleransturm zum Ende des 19. Jahrhunderts nicht mehr gewachsen war, steht wenige Meter aufwärts schräg gegenüber an der Ecke des François-Lachenal-Platzes neben dem Museum und beherbergt zur Zeit das Grabungsbüro für die Ausgrabungen in der Kaiserpfalz.

1917-1934 waren darin u.a. die Exponate des Historischen Vereins und die zoologischen Forschungsergebnisse des Afrika-Forschungsreisenden Carlo von Erlanger ausgestellt (diese heute im Naturhistorischen Museum, Mainz). Sie wurden allerdings sehr unsanft und unsachgemäß von der NSDAP aus dem Gebäude entfernt, als es 1934 zum Parteihaus der NSDAP umgewandelt wurde.

Nach dem Krieg diente es als städtisches Verwaltungsgebäude.


Links am Rand dieses Fotos sieht man ein Gebäude, das zuerst der Feuerwehr diente und heute als Museum. Es steht an einer Stelle, wo im Oktober 1907 ein Löschteich ("Weede") zugeschüttet wurde, um zusammen mit dem Schulhof einen größeren Spielplatz für Kinder zu schaffen (Ingelheimer Anzeiger vom 29.10.07). Diese Gebäude - das alte Schulhaus ebenso wie das Museum - leiden noch heute unter dem stark wasserführenden Untergrund.

Zur alten katholischen Volksschule von Nieder-Ingelheim

 

Gs, erstmals: 05.03.07; Stand: 08.01.12