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Familie van Krieken


Erstautorin: Margarete Köhler (2000),
überarbeitet von Hartmut Geißler (2009)
sowie 2019 mithilfe von Nieraad-Schalke, S. 364-365


1. Friederike Gertrude van Krieken, geb. de Roock * 1830 Java auf der Zuckerrohrplantage Padjarakan † 1908 in der Ingelheimer Villa Padjarakan


Friederike Gertrude, einzige Tochter der de Roocks, erbte den Besitz ihrer Eltern. Sie war mit ihrem Cousin, dem holländischen Major Anton van Krieken, verheiratet, einem Offizier des holländischen Kriegsministeriums. Das Paar, das in Den Haag lebte, hatte einen Sohn und zwei Töchter.

Nach dem Tode der de Roocks nutzten die van Kriekens die Ingelheimer Villa in den ersten Jahren vornehmlich als Sommersitz. Die vom Vater geerbte Zuckerrohrplantage und -fabrik auf Java ließ Friederike durch Verwalter weiter betreiben. Als auch ihr Mann im Jahr 1880 verstorben war, verlegte sie zusammen mit ihrer Tochter Antonia ihren Hauptwohnsitz nach Nieder-Ingelheim.

In den folgenden Jahren ließ sie die Villa Padjarakan durch den Mainzer Architekten und Dombaumeister Ludwig Becker (1855-1940) im späthistorischen Stil erweitern und von dem Bildhauer Anton Scholl (1839-1892) verschönern, der auch Reliefs am Mainzer Hauptbahnhof gefertigt hatte. Zudem wurden auf dem Parkgelände zusätzliche Dienstbotengebäude errichtet (Nieraad-Schalke, S. 364).

Der Familientradition getreu förderte auch Friederike Gertrude in hochherziger Weise zu ihren Lebzeiten durch Spenden notleidende Arbeiter/Frauen (mit 25.000 Mark) und den Bau einer Gewerbeschule (mit 1.000 Mark). Durch eine testamentarische Stiftung vermachte sie 200.000 Mark der Gemeinde Nieder-Ingelheim zum Bau eines Waisenhauses. Aus der Stiftung wurde auch eine neue Friedhofskapelle gebaut

Nach ihrem Tode 1908 sorgte u. a. eine ansehnliche Spende ihrer Erben mit dafür, dass das Hospital Ludwigsstift umgebaut und ab 1909 als Krankenhaus genutzt werden konnte.

Anfang der Zwanziger Jahre sah sich die Gemeinde finanziell außerstande, das Waisenhaus weiterhin zu betreiben. Außerdem soll zu dieser Zeit kein dringender zweckentsprechender Bedarf mehr bestanden haben. Mit Zustimmung der van Krieken'schen Erben wurde es deshalb geschlossen. Nach einem Bericht von Friedrich Weitzel hat man bereits 1922 erwogen, es in ein Krankenhaus umzuwandeln, weil das Ludwigsstift dem gestiegenen Bedarf nicht mehr gerecht werden konnte. Wegen der günstigen Lage des Grundstücks in der heutigen Turnerstraße und der guten Eignung der vorhandenen Bausubstanz, bot sich diese Lösung an.

Der fortschreitende Währungsverfall der Inflation bis 1923 machte jedoch alle Pläne zunichte. Danach zwangen die unzulänglichen räumlichen Verhältnisse im alten Krankenhaus Ludwigstift schließlich doch zum Handeln. Erstaunlicherweise gelang es der Gemeinde Nieder-Ingelheim , noch vor der Stadtwerdung zum 1.4.1939 die Finanzierung des Bauvorhabens sicherzustellen und es zu realisieren.

Frau Maria Emmerling, Enkelin der Freifrau van Krieken, hatte als Vertreterin der van Krieken'schen Stiftung die Umwidmung und Zuschreibung der Rest-Fonds zum Krankenhausvermögen gestattet. Eine weitere Stiftung floss dem Bauträger aus dem Hause Boehringer zu.

Im April 1939 konnte die junge Stadt Ingelheim voll Stolz die Einweihung ihres modernen neuen Krankenhauses begehen, zu dessen Entstehung u. a. auch die van Krieken'sche Stiftung beigetragen hatte. Der Name der Stifterin wird mit dieser Einrichtung verbunden bleiben.


2. Albert Theodor van Krieken * 1858 † 1875

Albert Theodor van Krieken, der älteste Sohn des Ehepaares van Krieken und Enkel des Ehrenbürgers Albert Gerhard de Roock, wurde nur 25 Jahre alt. Wie uns sein Großneffe, der Kunsthistoriker Dr. Ernst Emmerling im Heimatjahrbuch 1980 erzählte, verfügte er über außergewöhnliche intellektuelle und künstlerische Begabungen, die er in der kurzen Spanne seines Lebens aber nur ansatzweise verwirklichen konnte. Er hat ein Studium der Philosophie und der Rechte mit dem zweifachen Doktor abgeschlossen und sich danach in Göttingen habilitiert. Auf den Zeichnungen und Aquarellen, die er hinterlassen hat, sind vielfach Typen und Szenen aus dem Ingelheimer Milieu abgebildet.

Offenbar weilte er von Kindheit an häufig auf dem Ingelheimer Anwesen seines Großvaters und liebte es, seine Eindrücke mit Pinsel und Stift festzuhalten.

Literatur

 

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Gs, erstmals: 09.06.09; Stand: 29.12.19