Sie sind hier:   Juden in Ingelheim > Judenfriedhof Nieder-Ingelheim

Der Judenfriedhof im Nieder-Ingelheimer Saal neben der Aula Regia


Autor und Fotos: Hartmut Geißler
nach der Informationstafel des Friedhofes,
Meyer/Mentgen S. 515 ff.
und http://www.alemannia-judaica.de/ingelheim_friedhof.htm (31.08.11)


Dort wird er wie folgt beschrieben:

"Der älteste lokalisierte jüdische "Todtenhof im Saal" in Nieder-Ingelheim (Straße "Im Saal" im Bereich der westlichen Außenmauer der Kaiserpfalz/"Aula Regia") wurde vermutlich seit etwa 1688 belegt. In der NS-Zeit wurden die Grabsteine zum Friedhof an der Hugo-Loersch-Straße gebracht. 2002 wurden sie wieder auf dem alten Friedhofsgrundstück aufgestellt, darunter auch der älteste erhaltene Grabstein von 1726."

Auf der Informationstafel heißt es, dass er "frühestens um 1700 angelegt" worden sei, "in einer Zeit, als der Pfalzbezirk schon lange nicht mehr als Aufenthaltsort von Königen und Kaisern genutzt wurde", und - ich füge hinzu - auch nicht mehr als burgähnliche Festungsanlage wie bis in den 30jährigen Krieg hinein.

Er konnte deshalb eine lange, aber sehr schmale Fläche benutzen, den sog. "Zwinger" zwischen beiden Wehrmauern des Saales im Westen, also neben der Aula Regia. Die Informationstafel enthält dazu folgende Skizze:

Beschreibung der Skizze, die aus Unterlagen des DBV Archivs auf der Marxburg stammt:

Ganz links ist der Wehrgraben eingezeichnet, über den im Eingangsbereich des Saales (unten links) eine Brücke führte. Das ist die Stelle, an der heute die Straße "Im Saal" von der "Natalie-von-Harder-Straße" abzweigt. Sie durchquerte dann die beiden Mauern und setzt sich heute bis zu ihrer Mündung in die Heidesheimer Straße fort. Von ihr führt der jetzige Zugang zu dem Friedhof durch ein Eisentor (Schlüssel im Museum!).

Grau ist der Bereich des ehemaligen Friedhofs eingefärbt, der sich an der westlichen Außenmauer der Aula Regia entlang zieht, die in die innere Wehrmauer integriert wurde. Ob vielleicht auch ein Teil bei der Apsis der Aula benutzt wurde, ist durch hellere Graufärbung und ein Fragezeichen gekennzeichnet.

Dieser Friedhof wurde in den Jahren 1934/35 enteignet; die noch vorhandene jüdische Gemeinde konnte lediglich erreichen, dass 25 Grabsteine in den jüdischen Friedhof von Ober-Ingelheim transportiert wurden.

Im Zuge der Ausgrabungsarbeiten im Pfalzbereich und der Neugestaltung des Zuganges zur Aula Regia wurde der Friedhof getrennt davon wiederhergestellt und die Grabsteine wurden im Jahre 2002 wieder hier aufgestellt, 23 von den ursprünglich 25 verzeichneten Gräbern 1935. Der wiederhergestellte Friedhofsbereich lässt sich von Norden wie von Süden nur als langer Schlauch fotografieren, wobei im Nordbereich (Bild rechts) diejenigen Grabsteine wieder aufgestellt wurden, die keinen Grabstellen mehr zuzuordnen sind:

 

 

 

 

 

 

Die Grabsteine (oberes Bild) stehen im hinteren Bereich.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mitte: Blick vom Eingang her; beide Hausmauern bestehen z. T. aus altem Gestein: links aus dem letzten Teil der äußeren Zwingermauer und rechts aus der Wehrmauer, die die Außenmauer der Aula Regia mit verwendet hat.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rechts: Grabstein vom Nieder-Ingelheimer Friedhof. So wie dieser sind alle anderen Grabstein dieses Friedhofes aus dem 18. und 19. Jahrhundert nur mit hebräischen Buchstaben beschriftet.

 

Zum jüdischen Friedhof in Ober-Ingelheim

Zum jüdischen Friedhof in Großwinternheim

Zur Geschichte der Ingelheimer Juden bis 1933

 

Gs, erstmals 24.10.10; Stand: 30.09.11