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Sebastian Münster über die "Geißler"- Bewegung 1350


Autor: Hartmut Geißler
Aus: Cosmographia 1545, S. 233; Foto: Dr. Anton Friedt



Übertragung:

"Zu dieser Zeit, nämlich im Jahr 1350, nahmen die Geißler überall stark zu, zogen aus den Städten und Dörfern mit Fahnen, Prozessionen und Gesang, schlugen sich selbst mit geknöpften Geißeln (und) glaubten damit die Vergebung der Sünden zu erlangen. Sie sind in Italien entstanden und kamen von dort nach Deutschland und Frankreich.

Diese Leute trugen vorne an den Kleidern Kreuze, kamen in Gruppen in die Städte, trauernd und klagend, hatten blaue Flecken am ganzen Körper von dem dauernden Geißeln. Sie baten niemanden um etwas, sondern was man ihnen freiwillig und von selbst anbot, das nahmen sie.

Es kam (einmal) ein Prediger und Mönch zu ihnen und fragte, warum sie ohne Auftrag predigten. Da steinigten sie ihn zu Tod.

Sie hatten vierundvierzig Artikel, die sie gegen die römische Kirche predigten, die ich hier übergehe. Sie verführten viele Leute, dass man ihnen mehr glaubte als den Priestern. Wenn sie kamen, läutete man mit allen Glocken und empfing sie ehrenvoll. Aber zuletzt, als man sie nicht mehr bewunderte, die Glocken nicht mehr gegen sie läutete und sie nicht mehr ehrenvoll in den Städten empfing, vergingen sie wie eines Menschen Gedicht."

 

Gs, erstmals: 16.08.06; Stand: 01.03.17