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Dr. Heinz Brühne, SPD, 1949-1956

 

 

Dr. Brühne aus "50 Jahre Stadt Ingelheim"

Autor: Hartmut Geißler
Nach 50 Jahre Stadt Ingelheim, 1989 (BIG 38), S. 131-150,
Gerhard, Ingelheim S. 545-547 (Archiv Rep. IV-247 B),
Stellvertreter des freien Volkes, S. 104-105


Dr. Heinz Brühne wurde am 23. 12. 1904 in Hagen geboren. Nach der Mittleren Reife trat er in seiner Heimatstadt zunächst eine Banklehre an, holte 1928 das Abitur nach, studierte an verschiedenen Hochschulen in Nürnberg, Köln und Frankfurt Wirtschaftswissenschaften. Er wurde zunächst Dipl.-Kaufmann und Dipl.-Handeslehrer und promovierte 1931 in Frankfurt zum Dr. rer. pol. Seine berufliche Laufbahn begann er aks Diplom-Handelslehrer an der VHS in Offenbach, setzte sie als Syndikus oder Geschäftsführer verschiedener Wirtschaftsverbände fort und wurde 1940 Sachbearbeiter bei der Industrie- und Handeskammer in Danzig. In die NSDAP ist er 1935 eingetreten. Kriegsdienst leistete er von 1941 bis 1942. Von 1941-1945 ware er Mitinhaber der Fa. Oskar Appell Kolonialwarengroßhandel in Preußisch Stargard. Von Danzig/Zoppot aus konnte er Ende März 1945 vor den anrückenden Russen mit einem Schiff in den Westen fliehen und gelangte im September nach Westdeutschland.

In Bingen war er von 1946-1949 Geschäftsführer und Filialleiter bei der EDEKA-Zentralgenossenschaft. In Bingen wurde auch seine Entnazifizierung vollzogen, wobei keine Sühnemaßnahmen gegen ihn ergriffen wurden. Im November 1948 bewarb er sich um die ausgeschriebene Stelle eines Bürgermeisters in Ingelheim, die er durch Stadtratsbeschluss erhielt. So war er vom 28.01.1949 an Bürgermeister von Ingelheim. Als solcher gehörte er zeitweise dem Präsidium des Deutschen Städte- und Gemeindebundes an.

Er trat der SPD bei und wurde Fraktionsvorsitzender der SPD-Fraktion im Kreistag Bingen. Außerdem wurde er vom Listenplatz 5 des Wahlkreises am 01.06.1955 in den Landtag gewählt, wo er auch im Rechtsausschuss Mitglied war. Zum 16.10.1956 schied er wegen seines beruflichen Wechsels nach Dortmund aus dem Landtag aus.

Seine Beigeordneten im Stadtrat waren Wilhelm Fries (CDU), Otto Wedekind (SPD) und Jean Gemünden (FDP).

Wichtige Themen seiner Bürgermeisteramtszeit waren: die Gas- und Wasserversorgung (Gründung der Rheinhessischen Energie- und Wasserversorgungs GmbH), Wohnraumbeschaffung (90 Wohnungen waren noch von der französischen Besatzungsmacht beschlagnahmt), auch durch Einfachwohnungen bei der Ohrenbrücke, Erneuerung und Ausbesserung des Straßen- und Wegenetzes sowie der Kanalisation, Aufstellung eines neuen Ortsbauplanes und die Schaffung einer Anlagestelle für Dampfer in Frei-Weinheim.

Der neu gegründete Gewerbe- und Verkehrsverein veranstaltete 1950 eine große Gewerbeschau in der alten Markthalle, in der Winzergenossenschaft und der Pestalozzischule.

Kindergärten wurden neu gebaut, Sporkenheim erhielt wegen der Entfernung zu den anderen Ingelheimer Ortsteilen eine einklassige Volksschule, in Frei-Weinheim musste das Schulgebäude aufgestockt werden, da eine katholische Konfessionsschule aus der Simultanschule abgetrennt wurde.

Das Hafenfest wurde eingeführt, das Rotweinfest, die Volkshochschule und der Historische Verein wurden gefördert (Wiedereröffnung des Vereinsmuseums mit seinen Sammlungen), das Sportfeld "Im Blumengarten" wurde von den Prinzessinnen zu Solms-Braunfels gekauft. An Pfingsten 1950 wurde die Turnerjugend des in Frankfurt wiedergegründeten Deutschen Turnerbundes nach Ingelheim eingeladen, wobei auf der Freilichtbühne Schillers Wilhelm Tell aufgeführt wurde. 1952 wurde in Anwesenheit von Carl Zuckmayer dessen Stück Schinderhannes unter der Regie von Prof. Dr. Niedecken-Gebhard aufgeführt.

Zum 1. Oktober 1956 schied Dr. Brühne auf eigenen Wunsch vorzeitig aus dem Dienst der Stadt Ingelheim aus und wurde Vorstandsmitglied im Direktorium der Stadtsparkasse Dortmund.

Seinen Ruhestand verlebte er - nach wie vor sowohl mit Ingelheim als auch mit Dortmund verbunden - in Müllheim-Niederweiler am südlichen Schwarzwald. Er verstarb im Jahre 1995.


Gs, erstmals: 16.03.09; Stand: 14.01.20