Sie sind hier:   19. Jahrhundert bis zum Ersten Weltkrieg > Industrialisierung  > Boehringer Geschichtsdaten

Daten zur Geschichte von CHBS/Boehringer Ingelheim


aus: Mit Menschen für Menschen, S. 192 -207
mit freundlicher Erlaubnis durch Boehringer Ingelheim

Inhalt:
I     Ausgewählte Daten zur Unternehmensgeschichte
II    Ausgewählte Daten zur Familiengeschichte
III   Ausgewählte Produkte von Boehringer
IV   Ausgewählte Sozialleistungen und Wissenschaftsförderung

Anmerkungen: Die Abkürzung (r) entspricht dem Zeichen ®;
Aktualisierungen jüngster Ereignisse durch den Historischen Verein

 

Ausgewählte Daten zur Unternehmensgeschichte

1817
CHRISTIAN GOTTHOLD ENGELMANN (1787-1841) und CHRISTIAN FRIEDRICH BOEHRINGER gründen am 15. Oktober die "Drogen- und Materialwarenhandlung Engelmann & Boehringer" in Stuttgart. Die Firma spezialisiert sich auf die Herstellung chemischer und pharmazeutischer Präparate.

1859
Nach dem Ausscheiden der Erben ENGELMANNs wird die chemische Fabrik umbenannt in C. F. Boehringer & Söhne; die Leitung haben CHRISTIAN FRIEDRICH BOEHRINGER und seine beiden Söhne CHRISTIAN GOTTFRIED (1818-1864) und CHRISTOPH HEINRICH (1820-1882).

1871
CHRISTOPH HEINRICH BOEHRINGER zahlt die Familie seines verstorbenen Bruders aus und übernimmt die Leitung des Unternehmens; Verlagerung des Firmensitzes von Stuttgart nach Mannheim.

1882
CHRISTOPH HEINRICH BOEHRINGER stirbt am 5. März. Sein älterer Sohn ERNST (1860-1892) führt das Unternehmen im Namen seiner Mutter MATHILDE (1828-1902) weiter.

1883
ERNST BOEHRINGER erwirbt das väterliche Unternehmen von seiner Mutter und nimmt den Chemiker FRIEDRICH ENGELHORN (1855-1911), seinen späteren Schwager, als gleichberechtigten Teilhaber auf. FRIEDRICH ENGELHORN ist ein Sohn des gleichnamigen BASF-Gründers, der bereits mit ERNST BOEHRINGERS Vater gut bekannt war.

1885
ERNST BOEHRINGER erwirbt im Namen seines Bruders ALBERT eine kleine Weinsteinfabrik im rheinhessischen Nieder-Ingelheim, die im Handelsregister eingetragen wird als "Albert Böhringer, chem. Fabrik vom 1. Aug. 1885 ab".

1886
ALBERT BOEHRINGER beginnt mit der Herstellung von Weinsäure.

1892
ERNST BOEHRINGER stirbt am 14. September. Da er keine männlichen Nachkommen hat, geht die Firma C. F. Boehringer & Söhne [in Mannheim] gemäß Gesellschaftsvertrag in das Eigentum von FRIEDRICH ENGELHORN über.

1893
ALBERT BOEHRINGER benennt mit Wirkung vom 1. Januar an seine Firma zu Ehren seines Vaters CHRISTOPH HEINRICH in C. H. Boehringer Sohn um und nimmt seine Mutter als Kommanditistin auf. Er plant und baut ein eigenes Wohnhaus in Nieder-Ingelheim, die so genannte Gründervilla. Bei Versuchen zur Herstellung von Zitronensäure entsteht mittels unerwünschter Gärung Milchsäure. Die Versuche werden nicht eingestellt, vielmehr entwickelt ALBERT BOEHRINGER das Verfahren weiter mit dem Ziel einer Produktion im Industriemaßstab. Das erste geschützte Firmenzeichen wird angemeldet: die ineinander verschlungenen Buchstaben CHBS in einem Oval mit der Umschrift C. H. Boehringer Sohn.

1895
Milchsäure wird in industriellem Umfang hergestellt und kann sich in den folgenden Jahren mit immer größerem Erfolg am Markt behaupten. Damit gehört CHBS zu den Pionieren der industriellen Anwendung biotechnologiseher Prozesse. CHBS erhält sein erstes Patent - für ein Backpulver auf Milchsäurebasis.

1905
Das Firmenlogo zeigt erstmals das Bildmotiv der Ingelheimer Kaiserpfalz. Vermutlich Beginn der Extraktion in wirtschaftlich lohnendem Umfang von Alkaloiden wie Morphin, Codein und Kokain.

1910
Das erste Firmenjubiläum: 25 Jahre CHBS. Mittlerweile gehören 156 Mitarbeiter dazu. 

1911
ALBERT BOEHRINGER erhält anlässlich seines 50. Geburtstages und für seine Verdienste um die chemische Industrie den Titel eines Großherzoglich Hessischen Kommerzienrates. Gründung der Chabeso(r) GmbH in Mainz, die ein Erfrischungsgetränk auf Milchsäurebasis herstellt.

1912
Gründung der Werkfeuerwehr.

1915
Während des Kriegseinsatzes von ALBERT BOEHRINGER bis 1917 leitet dessen Neffe ROBERT BOEHRINGER die Geschicke von CHBS.

1917
Gründung der Wissenschaftlichen Abteilung, deren Aufsicht zunächst dem Chemiker HEINRICH WIELAND (1877-1957) übertragen wird, einem Vetter von ALBERT BOEHRINGERS Frau HELENE. Aufnahme der Produktion von Gallensäure, dem Spezialgebiet HEINRICH WIELANDS.

[1920 - 1924
Wegen des Kohlenmangels durch die Reparationslieferungen an Frankreich erwarb Albert Boehringer vorübergehend zwei stillgelegte Kohlengruben in Steinbach am Glan, um die Kohlenversorgung des Werkes zu sichern. Gs, 06.02.2013]

1921
ALBERT BOEHRINGER erhält zu seinem 60. Geburtstag den Ehrendoktor der Universität Freiburg im Breisgau und die Ehrenbürgerwürde von Nieder-Ingelheim. HEINRICH WIELAND und sein Bruder, der Pharmakologe HERMANN WIELAND (1885-1929), isolieren aus der Pflanze "Lobelia inflata" das Reinalkaloid Lobelin.

1923
Am 11. August, dem 62. Geburtstag von ALBERT BOEHRINGER, führt CHBS wegen der Hyperinflation ein eigenes Notgeld ein. Der Firmengründer und sein Sohn ALBERT JR. werden von den französischen Besatzungsbehörden aus Nieder-Ingelheim ausgewiesen und gehen nach Hamburg. Dort errichtet CHBS ein Zweigwerk in Hamburg-Moorfleet. Produziert werden von 1925 an Grundstoffe für Arzneimittel, darunter Koffein sowie Morphin und Codein.

1926
Die Firma Dr. Karl Thomä & Cie in Winnenden bei Stuttgart nimmt für das Zweigwerk in Hamburg die Morphinverarbeitung auf. Zu den Gründern des chemischen Unternehmens gehörte 1874/75 auch ein Vetter ALBERT BOEHRINGERS, ALEXANDER BOEHRINGER (1847-1897).

1927
HEINRICH WIELAND erhält den Nobelpreis für Chemie für seine "Untersuchungen über die Zusammensetzung der Gallensäure und verwandter Verbindungen".

1928
ALBERT BOEHRINGER erwirbt die Firma Dr. Karl Thomä & Cie. für 370.000 Goldmark, darunter deren Anteil an der deutschen Opiumkonvention sowie Herstellverfahren und Patente. OTTO THOMÄ, der Neffe KARL THOMÄS, arbeitet künftig bei CHBS und hat in späteren Jahren maßgeblichen Anteil an der Entwicklung von Sympatol(r), Preludin(r) und anderen Substanzen.

1929
Mit Wirkung vom 1. Januar wird das Unternehmen in die Aktiengesellschaft "C. H. Boehringer Sohn AG" umgewandelt.

1930
Aufbau der Back- und Nahrungsmittelabteilung (BN).

1931
Die sich verschärfende Weltwirtschaftskrise zwingt die Firmenleitung zur Rückkehr von Hamburg nach Nieder-Ingelheim. CHBS beschäftigt 763 Mitarbeiter.

1932
Die Zahl der Mitarbeiter sinkt im Verlauf der Weltwirtschaftskrise auf 562.

(Hinweis: Zur Geschichte von Boehringer Ingelheim zur Zeit des Nationalsozialismus steht nun die hervorragende Unterschung von Prof. Michael Kißener zur Verfügung: "Boehringer Ingelheim im Nationalsozialismus". Wiesbaden 2015)

1933
Beginn der Herstellung von Zitronensäure aus zitronensaurem Kalk für die Genuss- und Nahrungsmittelindustrie.

1935
Zum 50-jährigen Bestehen erscheint der zu diesem Anlass in Auftrag gegebene Bildband "C. H. Boehringer Sohn AG 1885 - 1935" mit Aufnahmen des Fotografen PAUL WOLFF und einem einleitenden Text von ROBERT BOEHRINGER. CHBS beschäftigt 865 Mitarbeiter.

1936
Die erste Werkszeitung erscheint.

1937
Mit Wirkung zum 1. Januar wird die Aktiengesellschaft CHBS in eine KG umgewandelt; die Geschäftsführung übernehmen die persönlich haftenden Gesellschafter ALBERT BOEHRINGER JR. und sein Bruder ERNST zusammen mit ihrem Schwager JULIUS LIEBRECHT. Der Umsatz erreicht 14 Millionen Reichsmark.

1939
Am 11. März 1939 stirbt der Firmengründer ALBERT BOEHRINGER im 78. Lebensjahr. Beginn der Herstellung von Zitronensäure mittels Gärung. CHBS beschäftigt 1200 Mitarbeiter.

1941
Einführung des innovativen Broncholytikums Aleudrin(r)/Aludrin(r) aus der Gruppe der Sympathikomimetika. Aludrin(r) ist das erste Asthmamittel von CHBS, eröffnet später auch den Weg zu den so genannten Betablockern; das Patent wird nach dem Zweiten Weltkrieg von den Alliierten konfisziert. CHBS beschäftigt 1500 Mitarbeiter.

1942
Für die synthetische Großfabrikation von Koffein wird in Ingelheim ein neuer Betrieb errichtet, der am 15. November die Produktion aufnimmt.

1943
Die deutsche Reichsstelle Chemie erteilt CHBS am 5. August die Auflage, für die Herstellung von Sympatol(r), Aludrin(r), Adrianol(r), Lobelin(r) und Papaverin Ausweichbetriebe zu errichten. Die Wahl des Standorts fällt auf Biberach an der Riss, wo bald Sympatol(r) und Lobelin(r) konfektioniert werden.

1944
Im Herbst werden wegen Kohlemangels die Betriebe für Wein-, Milch- und Zitronensäure stillgelegt. Für die älteste bei CHBS hergestellte organische Säure, die Weinsäure, bedeutet dieser Produktionsstopp das endgültige Aus.

1945
Am 16. März werden bei CHBS in Ingelheim die Werkstore geschlossen, vier Tage später erreichen die ersten amerikanischen Panzerverbände Ingelheim. Es folgt die Besatzungszeit, zuerst durch amerikanische Truppen denen am 1. Juli französische Truppen folgen. Am 28. Mai heißt es dann: "Der Boehringer raucht wieder!"

1946
Neugründung der Dr. Karl Thomae GmbH in Biberach an der Riss mit 70 Mitarbeitern; Geburtsstunde des Schmerzmittels Thomapyrin(r). Gründung der CELA, Landwirtschaftliche Chemikalien GmbH, die zunächst Pflanzenschutzmittel gegen die Kartoffelkäferplage produziert. Gründung der Haus-Chemie GmbH, Wiesbaden.

1948
Gründung der ersten Auslandsgesellschaft: Bender & Co. GmbH in Wien (heute Boehringer Ingelheim RCV GmbH & Co. KG). Gründung der Olivin für den Verkauf kosmetischer Präparate.

1949
Durch Vermittlung ROBERT BOEHRINGERS beginnt eine langjährige und erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Schweizer Pharmaunternehmen J. R. Geigy AG in Basel. Thomae übernimmt die Herstellung und den Alleinvertrieb der pharmazeutischen Geigy-Spezialitäten in Deutschland.

1951
Beginn der Herstellung von Pflanzenschutzmitteln in Hamburg. Zum 60. Geburtstag von ALBERT BOEHRINGER JR. erscheint die erste Ausgabe der Werkszeitung nach dem Zweiten Weltkrieg; die letzte Ausgabe war im Dezember 1944 erschienen.

1954
Nachdem bei einigen Mitarbeitern im Werk Hamburg-Moorfleet Chlorakne aufgetreten ist, wird die Herstellung von Trichlorphenol eingestellt.

1955
WALTER RUDOLF MAYER-LIST ist der erste persönlich haftende Gesellschafter, der nicht Angehöriger der Gründerfamilie ist; er verantwortet die Finanzen des Unternehmens. Gründung der Ingelheimer Wohnungsgesellschaft mbH, an der CHBS drei Viertel der Anteile hält, die Stadt Ingelheim ein Viertel. Einrichtung des Geschäftsbereiches Tiergesundheit mit der Übernahme des Veterinärprogramms von Pfizer.

1957
Wiederaufnahme der Trichlorphenol-Herstellung in Hamburg-Moorfleet nach einem verbesserten und geprüften Verfahren.

1958
Gründung der Anasco, Arznei- und Gesundheitspflegemittel GmbH in Wiesbaden.

1959
ERNST BOEHRINGER gründet die "Internationalen Tage" in Ingelheim. Gründung der Thomae-Tochter Basotherm dermatologische und pharmazeutische Gesellschaft mbH, Biberach.

1963
Ein Beirat, der von 1977 an als Beraterkreis fungiert, beginnt am 1. Januar seine Tätigkeit. Die Mitglieder der ersten Stunde sind HERMANN RICHTER, HARALD DYCKERHOFF und THEODOR WIELAND, der Sohn von HEINRICH WIELAND.

1965
Gründung der Deutsche Abbott GmbH in Ingelheim. 9300 Mitarbeiter weltweit erwirtschaften einen Umsatz von 543 Millionen Mark.

1967
HUBERTUS LIEBRECHT (1931-1991) und WILHELM BOEHRINGER (1930-1975), Enkel des Firmengründers, treten in die Geschäftsleitung ein. Im März stellt die Chabeso(r) GmbH ihre Geschäftstätigkeit ein.

1970
Erstmals übersteigt der Umsatz die Milliarden-Mark-Grenze (1,04 Mrd. DM).

1971
HUBERTUS LIEBRECHT übernimmt zum 1. Januar von seinem Vater JULIUS den Vorsitz der Geschäftsleitung. Gründung der Bioscientia, Biochemische Dienstleistungsgesellschaft mbH.

1972
Gründung der Celamerck GmbH & Co. KG durch Zusammenlegung der Cela Ingelheim und des Pflanzenschutzgeschäftes von Merck in Darmstadt; Beteiligung je 50 Prozent. Übergabe des Vertriebs der Geigy-Produkte an die neu gegründete Ciba-Geigy AG. Einstellung der Milchsäure-Produktion.

1973
Gründung der Boehringer Ingelheim GmbH als deutsche Holding für die Auslandsgesellschaften des Firmenverbandes.

1977
HUBERTUS LIEBRECHT gründet seine Stiftung und benennt sie nach dem Unternehmen; die "Boehringer Ingelheim Stiftung" dient ausschließlich und unmittelbar der Förderung der medizinischen, biologischen, chemischen und pharmazeutischen Wissenschaft. Von 1995 an stiftet sie auch den Boehringer Ingelheim Preis, der vom Fachbereich Medizin der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz für hervorragende Forschung in der klinischen und theoretischen Medizin vergeben wird.

1978
Gründung der Boehringer Ingelheim Vetmedica GmbH aus der Abteilung Veterinärmedizin.

1981
C. H. Boehringer Sohn wird Holding-Gesellschaft für die inländischen Gesellschaften, die neu gegründete Boehringer Ingelheim International GmbH für die ausländischen Gesellschaften. Gründung der Boehringer Ingelheim KG für das Deutschlandgeschäft. Mit weltweit 14.822 Mitarbeitern, davon 8.750 in Deutschland, erwirtschaftet CHBS einen Umsatz von 3,36 Milliarden Mark.

1982
Einstellung der Zitronensäure-Produktion. Damit nimmt Boehringer Ingelheim endgültig von den Organischen Säuren Abschied, die für den wirtschaftlichen Erfolg der frühen Jahre entscheidend gewesen waren.

1983
ERICH VON BAUMBACH, der Schwiegersohn von ALBERT BOEHRINGER JR. tritt in die Zentral-Geschäftsleitung ein. 

1984
Am 18. Juni wird in Hamburg-Moorfleet die Produktion eingestellt und das Werk geschlossen; am 16. November wird zur Sanierung des Geländes in Hamburg die Dekonta GmbH gegründet.

1985
Boehringer Ingelheim feiert mit 22.254 Mitarbeitern, davon 8784 in Deutschland, sein 100- jähriges Bestehen und erreicht einen Umsatz von 4.528 Milliarden Mark. Gründung des Forschungsinstituts für Molekulare Pathologie (IMP) in Wien als Joint Venture mit Genentech, Inc. (USA). Die Eröffnung erfolgt 1988; seit 1993 ist das IMP im alleinigen Besitz von Boehringer Ingelheim.

1986
Das Biotechnikum in Biberach nimmt den Betrieb auf. Es ist nach einer Investition von rund 150 Millionen Mark die größte Produktionsanlage für Biopharmazeutika aus Zellkulturen in Europa.

1987
Actilyse(r), das erste bei Thomae/Boehringer Ingelheim biotechnisch hergestellte Präparat zur Therapie des akuten Herzinfarkts erhält die Zulassung. Die Celamerck GmbH wird verkauft.

1989
Umbenennung der Boehringer Ingelheim Zentrale GmbH in Boehringer Ingelheim GmbH. Umbenennung der Zentralen Geschäftsleitung in Unternehmensleitung.

1991
Boehringer Ingelheim beschäftigt weltweit 24.347 Mitarbeiter und erlöst 5.225 Milliarden Mark.

1992
ERICH VON BAUMBACH, der Schwiegersohn von ALBERT BOEHRINGER JR., übernimmt am 1. Januar den Vorsitz im Gesellschafterausschuss. Gleichzeitig wird HERIBERT JOHANN Sprecher der Unternehmensleitung; damit trägt erstmals seit Gründung der Firma 1885 kein Mitglied der Inhaberfamilie mehr Verantwortung für das operative Geschäft bei Boehringer Ingelheim.

1993
Das deutsche Pharmageschäft mit seinen beiden Standorten Ingelheim und Biberach erhält eine einheitliche Geschäftsführung. Die Forschung wird künftig in Biberach konzentriert, die Produktion - mit Ausnahme der biopharmazeutischen Produktion - in Ingelheim.

1995
Für Forschung und Entwicklung werden erstmals in der Firmengeschichte weltweit mehr als eine Milliarde Mark aufgewendet. 23.277 Mitarbeiter erwirtschaften Gesamterlöse in Höhe von 6.429 Milliarden Mark.

1998
Die Aktivitäten der Boehringer Ingelheim KG und der Dr. Karl Thornae GmbH werden in der Boehringer Ingelheim Pharma KG zusammengeführt. Verkauf der Boehringer Ingelheim Backmittel GmbH. Am 21. August werden die Arbeiten zur Sicherung der Altlasten am Standen Hamburg- Moorfleet abgeschlossen. Hierfür wurden 320 Millionen Mark auf gewendet.

2000
Zum 31. Dezember gibt ERICH VON BAUMBACH den Vorsitz im Gesellschafterausschuss ab. Einweihung des Boehringer Ingelheim-Center in Ingelheim, der neuen Unternehmenszentrale.

2001
HERIBERT JOHANN, seit 1992 Sprecher der Unternehmensleitung, übernimmt den Vorsitz im Gesellschafterausschuss. ROLF KREBS, promovierter Pharmakologe und seit 1989 Mitglied der Unternehmensleitung, wird Sprecher der Unternehmensleitung.

2002
Einweihung des neuen Pharma-Wirkstoffbetriebes in Ingelheim, mit 180 Millionen Euro eine der größten Einzelinvestitionen. 

2003
Einweihung des neuen biopharmazeutischen Wirkstoffbetriebes G 104 in Biberach. Mit mehr als 255 Millionen Euro ist das die bislang größte Einzelinvestition in der Geschichte des Unternehmens.

2004
ALESSANDRO BANCHI, promovierter Chemie-Ingenieur und seit 2000 Mitglied der Unternehmensleitung, wird Sprecher der Unternehmensleitung. Erwerb der Mikrotechnologie-Firma microParts GmbH in Dortmund, mit der zusammen Boehringer Ingelheim den innovativen Inhalator Respimat(r) Soft Inhaler entwickelt hat.

2007
CHRISTIAN BOEHRINGER übernimmt den Vorsitz im Gesellschafterausschuss; damit liegt die Leitung dieses obersten Entscheidungsgremiums nach 16 Jahren wieder in den Händen eines unmittelbaren Nachkommen des Firmengründers. Einweihung des neuen Betriebsrestaurants in Ingelheim.

2008
Einweihung des LogiPack-Centers in Ingelheim. Mit 14 Verpackungslinien können jährlich bis zu 250 Millionen Packungen produziert werden.

2009
ANDREAS BARNER wird Sprecher der Unternehmensleitung; der promovierte Mediziner und Mathematiker ist seit 1999 Mitglied der Unternehmensleitung. HUBERTUS VON BAUMBACH tritt in die Unternehmensleitung ein und verantwortet die Unternehmensbereiche Finanzen und Tiergesundheit. Damit übernimmt seit dem Tod von HUBERTUS LIEBRECHT im Jahr 1991 erstmals wieder ein Mitglied der Inhaberfamilie in der Unternehmensleitung Verantwortung für das operative Geschäft von Boehringer Ingelheim. Übernahme großer Teile des US-Tiergesundheitsgeschäfts von Fort Dodge/Iowa. Die "Boehringer Ingelheim Stiftung" gibt bekannt, mit insgesamt 100 Millionen Euro ein internationales Exzellenzzentrum für Lebenswissenschaften das Institut für Molekulare Biologie (IMB), an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz zu fördern; dieses Engagement der Inhaberfamilie bezeugt die Verwurzelung und die Verbundenheit der Gesellschafter und des Unternehmens mit der Region.

2010
Boehringer Ingelheim feiert sein 125-jähriges Bestehen. Als Gründungsdirektor für das Institut für Molekulare Biologie (IMB) wird der Zell- und Entwicklungsbiologe CHRISTOF NIEHRS berufen; Schwerpunkte des Institutes sollen molekulare Entwicklungsbiologie, Epigenetik und DNA-Reparatur sein. Baubeginn für das Europäische Forschungszentrum für Tierimpfstoffe in Hannover.

2013-2015
Ein neues, fünffingriges Verwaltungsgebäude wird errichtet und ab November 2014 bezogen. Sein Name: "BI 5".

2016
Boehringer und Sanofi/Frankreich beschließen den Tausch zweier Sparten: Sanofi übernimmt von Boehringer die rezeptfreien Medikamente wie Mucosolvan, Thomapyrin und Buscopan, während Boehringer Ingelheim die Sparte der Tiermedizin von Sanofi übernimmt. Ein Programm zur weltweiten Reduzierung des Personals wird beschlossen.

 

 

II Ausgewählte Daten zur Familiengeschichte, soweit sie im Zusammenhang mit Boehringer Ingelheim stehen

1817
CHRISTIAN FRIEDRICH BOEHRINGER (1791-1867) gründet zusammen mit CHRISTIAN GOTTHOLD ENGELMANN (1787-1841) die "Drogen- und Materialwarenhandlung Engelmann & Boehringer" in Stuttgart.

1859
Nach dem Ausscheiden der Erben ENGELMANNs wird die chemische Fabrik umbenannt in "C. F. Boehringer & Söhne"; die Leitung haben CHRISTIAN FRIEDRICH BOEHRINGER und seine beiden Söhne CHRISTIAN GOTTFRIED (1818- 1864) und CHRISTOPH HEINRICH (1820-1882).

1864
CHRISTIAN GOTTFRIED BOEHRINGER stirbt am 18. April. 1867 CHRISTIAN FRIEDRICH BOEHRINGER stirbt am 21. April.

1871
CHRISTOPH HEINRICH BOEHRINGER zahlt die Familie seines verstorbenen Bruders aus und übernimmt die Leitung des Unternehmens; Verlagerung des Firmensitzes von Stuttgart nach Mannheim.

1882
CHRISTOPH HEINRICH BOEHRINGER stirbt am 5. März. Sein älterer Sohn ERNST (1860-1892) führt das Unternehmen im Namen seiner Mutter MATHILDE (1828- 1902) weiter.

1883
ERNST BOEHRINGER erwirbt das väterliche Unternehmen von seiner Mutter und nimmt den Chemiker FRIEDRICH ENGELHORN (1855-1911), seinen späteren Schwager, als gleichberechtigten Teilhaber auf. FRIEDRICH ENGELHORN ist ein Sohn des gleichnamigen BASF-Gründers, der bereits mit ERNST BOEHRINGERS Vater gut bekannt war.

1890
ALBERT BOEHRINGER heiratet HELENE RENZ (1867-1946).

1892
ERNST BOEHRINGER stirbt am 14. September. Da er keine männlichen Nachkommen hat, geht die Firma "C. F. Boehringer & Söhne" gemäß Gesellschaftsvertrag in das Eigentum von FRIEDRICH ENGELHORN über.

1911
ALBERT BOEHRINGER erhält anlässlich seines 50. Geburtstages und für seine Verdienste um die chemische Industrie den Titel eines "Großherzoglich Hessischen Kommerzienrates".

1913
ROBERT BOEHRINGER (1884-1974), ein Neffe ALBERT BOEHRINGERS, tritt in die Firma ein.

1915
Während des Kriegseinsatzes von ALBERT BOEHRINGER bis 1917 leitet dessen Neffe ROBERT BOEHRINGER die Geschicke von CHBS.

1917
Der Chemiker HEINRICH WIELAND (1877-1957), ein Vetter von ALBERT BOEHRINGERS Frau HELENE, bekommt die Aufsicht über die neugegründete Wissenschaftliche Abteilung.

1919
Die drei Kinder von ALBERT BOEHRINGER, ALBERT JR. (1891-1960), ILSE LIEBRECHT (1894-1978) und ERNST (1896-1965), werden Gesellschafter bei CHBS. ALBERT BOEHRINGER JR. tritt in diesem Jahr in die Firma ein.

1920
JULIUS LIEBRECHT (1891-1974), der Ehemann Ilses und Schwiegersohn des Firmengründers, tritt in die Firma ein.

1921
ALBERT BOEHRINGER erhält zu seinem 60. Geburtstag den Ehrendoktor der Universität Freiburg im Breisgau und die Ehrenbürgerwürde von Nieder- Ingelheim. HEINRICH WIELAND und sein Bruder, der Pharmakologe HERMANN WIELAND (1885-1929), isolieren aus der Pflanze "Lobelia inflata" das Reinalkaloid Lobelin.

1927
HEINRICH WIELAND erhält den Nobelpreis für Chemie für seine "Untersuchungen über die Zusammensetzung der Gallensäure und verwandter Verbindungen". ERNST BOEHRINGER tritt nach Abschluss seiner Promotion zu dem Thema "Studien in der Gruppe der Alkaloide" in das Unternehmen ein.

1928
ALBERT BOEHRINGER erwirbt die Firma Dr. Karl Thomä & Cie., zu deren Gründern 1874/75 auch ein Vetter Albert Boehringers sen. gehört hatte, ALEXANDER BOEHRINGER (1847-1897).

1939
Am 11. März 1939 stirbt der Firmengründer ALBERT BOEHRINGER im 78. Lebensjahr.

1946
HELENE BOEHRINGER, die Frau des Firmengründers ALBERT BOEHRINGER, stirbt am 16. März.

1959
ERNST BOEHRINGER gründet die "Internationalen Tage" in Ingelheim.

1960
Am 11. Februar stirbt ALBERT BOEHRINGER jr.

1963
Ein Beirat, der von 1977 an als Beraterkreis fungiert, beginnt am 1. Januar seine Tätigkeit. Die Mitglieder der ersten Stunde sind HERMANN RICHTER, HARALD DYCKERHOFF und THEODOR WIELAND, der Sohn von HEINRICH WIELAND.

1965
Am 11. Januar stirbt ERNST BOEHRINGER.

1967
HUBERTUS LIEBRECHT (1931-1991) und WILHELM BOEHRINGER (1930-1975), Enkel des Firmengründers, treten in die Geschäftsleitung ein.

1971
HUBERTUS LIEBRECHT übernimmt zum 1. Januar von seinem Vater JULIUS den Vorsitz der Geschäftsleitung.

1974
ROBERT BOEHRINGER stirbt am 9. August. JULIUS LIEBRECHT stirbt am 13. September.

1975
Am 12. Januar stirbt WILHELM BOEHRINGER.

1983
ERICH VON BAUMBACH, der Schwiegersohn von ALBERT BOEHRINGER jr. tritt in die Zentral-Geschäftsleitung ein.

1991
Am 27. Juli stirbt HUBERTUS LIEBRECHT.

1992
ERICH VON BAUMBACH, der Schwiegersohn von ALBERT BOEHRINGER jr., übernimmt am 1. Januar den Vorsitz im Gesellschafterausschuss.

2000
Zum 31. Dezember gibt ERICH VON BAUMBACH den Vorsitz im Gesellschafterausschuss ab.

2007
CHRISTIAN BOEHRINGER übernimmt den Vorsitz im Gesellschafterausschuss; damit liegt die Leitung dieses obersten Entscheidungsgremiums nach 16 Jahren wieder in den Händen eines unmittelbaren Nachkommen des Firmengründers.

 

 

 

III Ausgewählte Produkte von Boehringer Ingelheim (bzw. Thomae Biberach)

1912
Laudanon®, ein Schmerzmittel auf Basis von sechs Alkaloiden des Opium, ist die erste Pharmazeutische Spezialität von CHBS.

1920
Einführung des Herz- und Kreislaufmittels Cadechol®

1921
Lobelin® eingeführt

1930
Einführung des Kreislaufmittels Sympatol®

1936
Großsynthese von Lobelin®, das als Atemanaleptikum Lobeton® (Lobelin Ingelheim) eingeführt wird

1941
Einführung des innovativen Broncholytikums Aleudrin®/Aludrin® aus der Gruppe der Sympathikomimetika. Aludrin® ist das erste Asthmamittel von CHBS, eröffnet später auch den Weg zu den so genannten Betablockern; das Patent wird nach dem Zweiten Weltkrieg von den Alliierten konfisziert.

1946
Geburtsstunde des Schmerzmittels Thomapyrin® bei Thomae, Biberach

1949
Einführung des Kreislaufmittels Effortil®

1951
Einführung von Buscopan®, einem schmerz- und krampflösenden Mittel. Finalgon®-Salbe zur perkutanen Wärme-Reiz-Therapie ist die erste Präparateinführung aus der Forschung bei Thomae in Biberach.

1959
Einführung des bei Thomae entwickelten Herz-Kreislauf-Präparates Persantin®

1960
Einführung von Silomat® gegen Reizhusten

1961
Einführung des Asthmamittels Alupent®

1965
Einführung von Adumbran®, einem Beruhigungsmittel

1966
Einführung von Catapresan®, einem Mittel gegen Bluthochdruck

1972
Einführung des Asthmamittels Berotec®

1975
Einführung von Atrovent® zur Behandlung von COPD (chronisch-obstruktive Atemwegserkrankung)

1979
Einführungen von Mexitil® gegen Herzrhythmusstörungen und von Mucosolvan® (Thomae) zur Therapie von Bronchitis

1987
Actilyse®, das erste bei Thomae/Boehringer Ingelheim biotechnisch hergestellte Präparat zur Therapie des akuten Herzinfarkts erhält die Zulassung.

1994
Einführung des Bluthochdruck-Präparates Micardis®

1996
Einführungen von Viramune® zur Therapie der Immunschwächekrankheit HIV und zur Risikominderung der Übertragung von HI-Viren von Schwangeren auf das Kind und Alna®/Flomax® zur Behandlung gutartiger Prostatavergrößerung

1997
Einführung des Antirheumamittels Mobec® sowie von Sifrol® gegen Parkinson und RLS (Restless-Legs-Syndrom/Syndrom der unruhigen Beine)

1998
Einführung des Schlaganfallpräparates Aggrenox®

2000
Einführung von Metalyse® zur Behandlung des Herzinfarktes 2002 Einführung von Spiriva® gegen COPD (chronisch-obstruktive Atemwegserkrankung)

2008
Einführung von Pradaxa® zur Vorbeugung von Thrombosen


IV Ausgewählte Sozialleistungen und Wissenschaftsförderung

1902
Gründung der Betriebskrankenkasse

1907
Einrichtung eines Unterstützungsfonds für Arbeiter im Ruhestand; Baubeginn für die ersten Mitarbeiterhäuser (1907-1909)

1909
Gründung der "Christoph und Mathilde Boehringer Stiftung" zur Unterstützung gebrechlicher Arbeiter

1910
Einführung eines bezahlten Jahresurlaubes, gestaffelt nach Dauer der Betriebszugehörigkeit

1912
Einführung einer betrieblichen Altersversorgung für Mitarbeiter, die 20 Jahre und länger bei CHBS beschäftigt sind

1915
Gründung der "Albert und Helene Boehringer-Stiftung" für Kriegshinterbliebene

1917
Beginn der Ausgabe von Mahlzeiten für die Mitarbeiter

1957
Zum 1. Januar nimmt die 1956 gegründete "Geschwister Boehringer Ingelheim Stiftung für Geisteswissenschaften" ihre Arbeit auf.

1977
HUBERTUS LIEBRECHT gründet seine Stiftung und benennt sie nach dem Unternehmen; die "Boehringer Ingelheim Stiftung" dient ausschließlich und unmittelbar der Förderung der medizinischen, biologischen, chemischen und pharmazeutischen Wissenschaft. Von 1995 an stiftet sie auch den Boehringer Ingelheim Preis, der vom Fachbereich Medizin der Johannes- Gutenberg-Universität Mainz für hervorragende Forschung in der klinischen und theoretischen Medizin vergeben wird.

1983
Gründung des "Boehringer Ingelheim Fonds, Stiftung für medizinische Grundlagenforschung" (B.I.F.)

2007
Einweihung des neuen Betriebsrestaurants in Ingelheim

2009
Die "Boehringer Ingelheim Stiftung" gibt bekannt, mit insgesamt 100 Millionen Euro ein internationales Exzellenzzentrum für Lebenswissenschaften das Institut für Molekulare Biologie (IMB), an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz zu fördern.

 

Zurück zum Seitenanfang

Gs, erstmals: 02.10.11; Stand: 24.02.17