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Die Großherzogliche Regierung warnt vor den Anwerbeversprechen, mit denen der Major Schäffer Auswanderungswillige nach Brasilien lockt.

 

Autor: Hartmut Geißler

Als Brasilien 1822 von Portugal unabhängig wurde, war das Land dünn besiedelt. Die Wirtschaft bestand zum großen Teil aus Monokulturen, die zwar begehrte Exportartikel produzierten, zur eigenen Versorgung jedoch wenig geeignet waren. Aus diesen und anderen Gründen beauftragte die brasilianische Regierung Major Schäffer, einen Offizier im Gefolge der Kaiserin Leopoldina, einer gebürtigen Habsburgerin, mit der Anwerbung deutscher Bauern und Handwerker.

In Rheinhessen und seinen westlichen Nachbargebieten waren Schäffer und seine Hilfswerber sehr aktiv. Interessenten wurde der Erwerb der brasilianischen Staatsbürgerschaft ebenso in Aussicht gestellt wie große Ländereien, Steuerfreiheit sowie finanzielle Unterstützung in den ersten Jahren. Allerdings wurde oft verschwiegen, daß es sich bei dem versprochenen Land um Urwald handelte. Trotz zahlreicher behördlicher Warnungen waren Schäffers Aktivitäten in Rheinhessen erfolgreich. Vor allem die Räume Alzey, Wöllstein und Bingen waren betroffen, ebenso einige Gemeinden am Rhein. (Schmahl 2000, S. 70)

Hier ein dreiseitiges Schreiben der Mainzer Provinzregierung vom 6. Januar 1826 an die Bürgermeister von Rheinhessen, erhalten im Archiv von Frei-Weinheim:

 


Gs, erstmals: 04.01.2020; Stand: 04.01.2020