Sie sind hier:   Ober-Ingelheim > Geismarscher Hof

3. Der "Geismarsche Hof"

 

Autor und Fotos: Hartmut Geißler
unter Benutzung von Krienke
und Heinemann 2021


Wahrscheinlich zur Versorgung der Abtei Hersfeld mit Wein schenkte nach einer Hersfelder Abschrift Karl der Große 775 diesen Hof und seine Einnahmen dem hessischen Kloster. Und im Besitz dieser Abtei blieb der Hof und ein weiterer Weinberg über ein halbes Jahrtausend lang. Erst im Jahr 1392 vergab die Abtei den Hof als Lehen weiter, und zwar dem Schultheißen von Oppenheim, Otten Knebel.

"Im Jahre 1051 erweiterte Heinrich III. den Hersfelder Besitz in Ingelheim ... durch ein Grundstück, dessen Lagebeschreibung bemerkenswert ist: 'ein Weinberg in Ober-Ingelheim, begrenzt von der St. Wigbertkirche bis zum Rinderbach, von da zur Rudhardsgasse hinab, von da zum Krumenstein und von da zur genannten Kirche zurück.' Dieser Grundbesitz, der die ganze Nordostecke Ober-Ingelheims ausfüllt, scheint dem Stift erst seinen Besitz am Orte gesichert zu haben; dort lag später der Hersfelder Zehnthof" (so berichtet Classen, S. 120/121).

Zeitweise (1. Juli 1479 bis 1517) war der Hersfelder Besitz in OI auch in der Hand von Kloster Eberbach. In dieser Zeit wurde auch vertragsgemäß der verfallene Zehnthof wieder instandgesetzt, also der Geismarsche Hof, was Krienke noch nicht wusste. Die Bauaufsicht hatte der Eberbacher Vertreter, der „Reitmeister Jakob“, der im Sandhof in Heidesheim residierte und auch für Ingelheim zuständig war. Der heute sichtbare Hof stammt also genau vom Jahr 1480 und kostete 76 Gulden, 21 Albus (Heinemann 2021, S. 100ff.).

Nach der Reformation, der Aufhebung des Hersfelder Klosters und der Übernahme seines Besitzes durch den Landgrafen von Hessen-Kassel wurden die Zehnteinnahmen aus dem Ober-Ingelheimer Klosterbesitz 1606 an den hessischen Kämmerer Levin van der Marten vergeben. 

Dessen Witwe heiratete 1623 Martin Lopes de Villanova aus den ehemals spanischen Niederlanden. Ihr gemeinsamer Sohn Friedrich Justus starb 1666 zusammen mit einem Sohn und einer Tochter an einer der großen Pestepidemien.

1722 gelangte der Hof (heute: An der Burgkirche 11) durch die Heirat einer Urenkelin von Martin Lopes, Elisabeth Charlotte von Mosbach, mit dem Geheimen Rat Freiherrn Hugo Franz von Geismar in dessen Besitz. Seinen Namen behielt der Hof, auch nachdem er 1805 (in der napoleonischen Zeit) in bürgerliche Besitzerhände kam (an den Bezirksrat Philipp Derscheid, der ihn 1810 an den Notar Karl Josef Steinem weiterverkaufte).

Auf dem Gelände dieses großen Besitzes lag im Spätmittelalter der Ober-Ingelheimer Schießgarten.

Seit 1928 (teilweise) und 1959 (ganz) gehörte er dem Weinhändler Ludwig Weitzel bzw. seit 1974 seinem Sohn Helmut Weitzel, von dem ihn in den letzten Jahren ein neuer Besitzer übernommen und kürzlich renoviert hat.

Detaillierte Beschreibung bei Dieter Krienke, Ober-Ingelheim, S. 408

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Giebel-Front, 

 

 

Gs, erstmalig: 02.03.06; Stand: 22.05.21