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Anton Otto von Cloß

* um 1660 Roermond (?)  † 1737 Ingelheim

Autorin: Margarethe Köhler
mit Ergänzungen von Hartmut Geißler und
neuen Forschungsergebnissen von Nadine Gerhard, 2019

Foto: Albert Posch

Weder das Jahr der Entstehung des Bildes noch der Name des Malers sind bekannt. Die Inschrift unter dem Wappen (oben links) lautet:

"Anton. Otto. de. Closs. Dux. Legion. PALAT. Equestris MISS. PALAT. Fundator 1737" (Anton Otto von Cloß, Führer einer pfälzischen Reiterschwadron. Gründer der pfälzischen Mission. 1737)

Auch nach der französischen Enteignung der Mission blieb das Bild erhalten und wurde 1812 dem Pfarrer der Remigiuskirche Baumgarten übergeben. Denn auf der Rückseite befindet sich ein Zettel mit der Aufschrift:

"1812. Hac Imago Domui parochiali dono data in eadem maneat semper in gratam memoriam L. B. De Cloß Ecclesiarum, ac pracipue pauperum benefactoris munificentissime. Ito histor Baumgarten parochus" (1812. Dieses Bild wurde dem Pfarrhaus geschenkt und soll immer darin bleiben zur dankbaren Erinnerung an den Freiherrn von Cloß, den großzügigen Wohltäter von Kirchen und besonders der Armen. Ito? histor? Pfarrer Baumgarten)

Der Historische Verein hat das Bild 2002 restaurieren lassen.

Man weiß nicht, wann und warum der kurpfälzische Obrist Anton Otto von Cloß nach Ingelheim kam., vielleicht während des Pfälzer Erbfolgekriegs mit den Pfälzer Truppen. Jedenfalls passt sein Handeln in die jesuitische Rekatholisierungspolitik des in Düsseldorf residierenden Pfalzgrafen und Kurfürsten Johann Wilhelm (Kf 1690-1716). Von Cloß hatte im Spanischen Erfolgekrieg (1688-1697) für die Kurpfalz gedient und war Kommandeur einer Reitertruppe, die zum oberrheinischen Kreis-Eskadrons gehörte. Schon 1694 hat er offenbar Geld in Nieder-Ingelheim verliehen, und eine Formulierung in seinem Testament lässt darauf schließen, dass er zuerst in Ober-Ingelheim wohnte (Gerhard, S. 139).

Später ließ er sich jedenfalls in Nieder-Ingelheim nieder, wo er am 2. Juli 1722 einen über einen Morgen großen Weingarten auf dem Belzer für sich und seine ehelichen Nachkommen von der kurfürstlichen Hofkammer gegen eine jährliche Pacht von 4 Malter Korn als Erbbesitz übernahm. Es sieht so aus, als wäre das derselbe Weingarten, der schon Ende des 16. Jahrhunderts gleichfalls in Erbbestand und gleichfalls für 4 Malter Korn an Schusters Hanß unf Klaibers Erben verliehen worden war (Geißler, Reutlinger-Bericht, Blatt 192, S. 126). Darauf baute er ein Wohn- und Kelterhaus, eine Scheuer und eine Stallung sowie eine Mauerumfassung (Gerhard, S. 138).

Von Cloß, der 1733 zum Generalwachtmeister befördert worden war, gelang es nach und nach, seinen Besitz auf über 100 Morgen Flächeninhalt zu vermehren. Den Mittelpunkt bildete mit großer Wahrscheinlichkeit der ehemalige Deutschherrenhof, der sich nachweislich bereits 1376 auf dem Belsen befunden hat und 1471 an die Kartäuser vom Mainzer Michelsberg verkauft worden war. Möglicherweise ist dieser Hof von ihm restauriert oder ausgebaut worden.

General von Cloß starb unverheiratet und ohne eheliche Nachkommen am 26. Oktober 1737. In seinem ausführlichen Testament, das er am Tage zuvor errichtet hatte, bedachte er einige seiner Untergebenen und Freunde mit Legaten, vermachte seinem Vetter und Testamentsvollstrecker das "Haus zum Ochsen" an der Mainzer Straße Nr. 68 (wo heute der Vorderbau der Pestalozzischule steht), der Stadt Roermond sein dortiges Vermögen und einer Jesuiten-Niederlassung eine beträchtliche Summe Bargeld. Für mehrere Ortschaften stiftete er Kaplaneien. Zu Gunsten von neun Ortschaften errichtete er eine Armenstiftung und verfügte genau, wie die Zinsen des Stiftungskapitals zu verteilen seien.

Sein Ingelheimer Landgut sollte nach seinem Willen zur Gründung einer Jesuitenmission genutzt werden. Drei Patres und ein Bruder sollten das Gut bewirtschaften und die Überschüsse zur Unterstützung von Armen und Reisenden verwenden. Der Bau einer Kapelle sollte aus dem Erlös seines Silbers finanziert werden.

Epitaph von Cloß' an der Kirchennordwand. Foto: Rolf Stähler

Von Cloß fand nach seinem Tode an der Nordwand der katholischen Kirche St. Remigius seine letzte Ruhestätte.

 

Text im unteren Feld:

IHRER CHURFÜRSTLICHEN DURCHLEUCHT ZU PFALTZ GENERAL / WACHTMEISTER UND OBRISTER ÜBER EIN REGIMENT ZU PFERDE /
ANTON OTTO VON CLOSS /
ALLHIER IN DIESEM GRABE RUHT /
DER WEDER HAAB NOCH EINIGS GUTH /
IN DIESER SCHNÖDEN WELT GEACHT /
HATT SOLCHS DEN ARMEN MEIST VERMACHT /
AUCH NOCH DER ZU EIN LAIB GUTT BROD /
UND DREISIG CREÜTZER IN DER NOTH /
MUS SEÜN HAUS GEBEN ALLE TAG /
DEN ARMEN OHNE WIEDERSPRACH /
AUF DAS VOM HOHEN HIMMELS THRON /
ERFOLGEN THU DER GOTTES LOHN /
OBIIT 26 OCTOBRIS 1737 /
REQUIESCAT IN PACE

Nach dem Willen des Erblassers wurde das Hofgut nun von 1737 bis zur Aufhebung des Ordens im Jahre 1773 von den Jesuiten verwaltet. Bis 1782 durften diese mit Duldung des Kurfürsten als Weltpriester weiter dort arbeiten und die Einnahmen des Gutes für Stiftungsaufgaben verwenden. Danach wurde der Hof an den Lazaristenorden übergeben, war von 1797 bis 1806 französisches Nationalgut, wurde versteigert und Spekulationsobjekt.

Nacheinander gelangte das Anwesen anschließend in den Besitz der Herren bzw. Familien Dumont, Handel, Seufferheld, Klotz, von Erlanger und von Solms-Braunfeld, wobei der alte Gebäudekomplex nicht erhalten blieb.

Heute befinden sich darauf der Jägerhof, das frühere Heim der Monikaschwestern, und das Haus St. Martin. Die jeweiligen Eigentümer errichteten ihrem Bedarf entsprechende Wohnbauten im Stil ihrer Zeit.

General von Cloß, der Ur-Eigentümer und hochherzige Stifter, hat sich für die Nachwelt in einem Bild (s. o.) verewigen lassen, das uns erhalten blieb. Die Jesuiten haben es in Ehren gehalten. Vermutlich ist es nach Auflösung des Stifts in das katholische Pfarrhaus gelangt. Heute wird es im Museum aufbewahrt.

Frau Köhler (Zeitreise S. 15) weist auch darauf hin, dass von Cloß den Kurfürsten Carl Philipp, den er wahrscheinlich persönlich kannte, in seinem Testament um eine kurfürstliche Schirmherrschaft über Kirche und Stiftung gebeten hatte, worauf das kurpfälzische Wappen über dem Südportal der Remigiuskirche (s. u.) hindeutet. (Gs)

Foto: Geißler

 

Zum Epitaph seines Cousins und Testamentsvollstreckers Gerhard von Schrieck

 

Gs, erstmals: 01.11.06; Stand: 22.01.20