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6. Uffhub-Tor


Autor und Fotos: Hartmut Geißler
unter Benutzung von Rep. II/418, hessische Parzellenkarten von 1848, aus dem StArchiv Ingelheim
sowie von Hundhausen 2010 und 2019


Zur Uffhub-Straße und zum "Ernst-Elenonoren-Baum"

Zu den Wehrmauern Ober-Ingelheim allgemein

Uffhubtor vor der Restaurierung von oben mit Blick bis zur Uffhubstraße
Uffhubtur vor der Restaurierung von unten mit dem alten (zweiten) Eelektrizitätswerk von Ober-Ingelheim (1906)

 

Alle Ortstore wurden in früheren schriftlichen Dokumenten stets „Pforten“ genannt, während man als „Tore“ nur die Hoftoren bezeichnete.

Am oberen Ende der Aufhof-/Uffhub-Straße erschloss die am besten erhaltene „Pforte“ der ehemaligen Ortsbefestigung den Weg nach Wackernheim und Mainz. Das Niveau des früheren Weges lag vor den Aufschüttungen des 19. und 20. Jhs erheblich niedriger als heute.

Das heute sichtbare Tor steht auf den Resten eines älteren Vorgängertores (Bauzeit unbekannt) und wurde in der ersten Hälfte des 15. Jhs. errichtet. Die Anlage verfügt noch jetzt über ein intaktes Wehrgangsgeschoss, von außen mit einem Rundbogenfries verziert. Über dem Torscheitel tragen Konsolen einen Wurferker, die sog. Pechnase, im seitlichen Anschlag haben sich die tiefen oberen Zapfenlöcher der Torflügel erhalten. 

Einen Graben scheint es vor diesem Tor nicht gegeben zu haben, denn der Flutgraben, der entlang der Burgunderstraße mit ihrem langen Ortsmauerrest in den Mühlbach mündete, begann erst etwas weiter südlich.

Bis zur französischen Zeit (um 1800) diente die Pforte ca. 400 Jahre wie die anderen Pforten zum einen der Sicherheit, aber auch der Zollerhebung für die Kurpfalz und der Messung und Registrierung des schuldigen Weinzehnten im Herbst. Deshalb bewohnte in der Regel ein „Torschreiber“ eine Wohnung über dem Torhaus, das zur Kontrolle von Wagen diente. Personen konnten ohne Öffnung der Torflügel durch eine (nördlich) daneben liegende Schlupfpforte (auch „Mannloch“ genannt) hinein oder hinaus gelangen. Eine solche Schlupfpforte, die aber nicht nebgen einem großen Tor geschaffen wurde, kann man nach dem Parzellplan von 1848 im Bereich der oberen Uffhubgasse annehmen. Man konnte durch sie aus den Gärten der Güter an der oberen Uffhubgasse hinaus ins Feld laufen, ohne erst hinauf oder hinab zu einem der Tore zu müssen. Sie könnte im Haderbuch von Ober-Ingelheim (1476-1484, Blatt 206v) mit der "Lochspforte" gemeint gewesen sein.

Dieses Tor blieb wie die zwei anderen (Stiegelgässer Tor und Rinderbachtor) wahrscheinlich nur deshalb bis ins 20. Jahrhundert erhalten, weil an ihnen noch bis zur Neuordnung der Steuern in der französischen Zeit die Weinernte zur Abgabenerhebung registriert wurde.

 

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Gs, erstmals: 09.03.06, Stand: 22.10.20