Sie sind hier:   Ober-Ingelheim > Wehrmauer am Seufzerpfad

21. Wehrmauer am Seufzer-Pfad


Autor und Fotos: Hartmut Geißler
(Neufassung)

Wehrmauer zwischen Burgkirche und Seufzerpfad mit hohem Nordturm; Foto: Gs



Dicker Vorlageturm an der Wehrmauer; Foto: Gs

 

Zwischen Burgkirche und Rinderbachtor ist die Ortsbefestigung am besten erhalten, wenn auch mehrfach erneuert und umgebaut.

Der Grund für die gute Erhaltung dürfte wie an der Burgunderstraße in den Besitzverhältnissen zu suchen sein: Hier dominierte seit der Karolingerzeit zuerst kirchlicher und danach bis ins 19. Jh. adliger Grundbesitz, sodass die Mauer nicht durch kleinräumige, „bürgerliche“ Besiedlung „verbraucht“ wurde.

Bemerkenswert ist die Vielfalt der Schartenformen und der vor- oder daraufgesetzten Türme. Vor der Mauer verlief ein tiefer Graben, der auch als Flutgraben zur Ableitung des nördlichen Flutwassers vom Mainzer Berg diente. Das südliche Flutwasser wurde an der Wehrmauer der Burgunderstraße entlang geleitet. Ob diese Flutgräben zusammen mit der Ortsbefestigung gegraben wurden oder schon vorher bestanden, ist ungeklärt. Ihr Notwendigkeit könnte sich im durch Klimaverschlechterung regenreichen 14. Jahrhundert ergeben haben. Man vergleiche den Flutgraben in Großwinternheim, der ebenfalls als Teil der Ortsbefestigung verwendet wurde.

Während der Graben im 18. Jh. auch „Schießgraben“ genannt wurde, weil darin die Schützen übten, und der übliche Begleitweg davor Ratsgang (wahrscheinlich von Rodsgang, einem „gerodeten“ Gang, abgeleitet), wird er wohl erst seit dem 20. Jh. „Seufzerpfad“ genannt. Er wurde in den letzten Jahren zu einem idyllischen Spazierweg vom Festplatz zum Rinderbachtor gestaltet.

In Ober-Ingelheim bietet man für den Namen Seufzerpfad zwei Erklärungen an: entweder vom Seufzen der Liebespaare, die durch diesen dunklen Pfad mit Pausen vom Festplatz nach Hause liefen, oder vom Seufzen der Trauernden eines Trauerzuges von der Kirche zum Friedhof.

Zu den Wehrmauern Ober-Ingelheim allgemein


Gs, erstmals: 15.03.06; Stand: 23.10.20