Autor: Hartmut Geißler
nach dem Text der Stationstafel
mit Ergänzungen
"Oberhofstraße" hießt diese Straße erst seit der Eingemeindung nach Ingelheim im Jahre 1972, davor "Wasemgass" oder "Untergasse" (?) und "Schwabenheimer Straße".
Namengebend ist die Erinnerung an das Ingelheimer Reichsgericht, das wöchentlich auch in Großwinternheim tagte, wahrscheinlich unter einer Linde vor der katholischen St. Johannes Evangelist.

"Die 1788 in wesentlichen Teilen barock konzipierte Anlage gilt als äußerst anschauliches Beispiel für Wohlstand und Bedeutung der in Groß-Winternheim ansässigen Adelssippen. Das breitgelagerte, zweigeschossige Haupthaus mit seinem steilen Mansardendach beherrscht einen weitläufigen, an drei Seiten von Gebäuden gefassten Hof. Die symmetrisch gegliederte Fassade springt in der Mittelachse stark vor und präsentiert so durch Freitreppe und kräftig profilierte, doppelt geohrte Gewände eine hochgezogene Eingangspartie.
Die Hanglage der Rückfront dagegen lässt nur noch Eingeschossigkeit zu, führt aber bis an den Bereich der Obergasse in ein ungewöhnlich großzügiges Parkgrundstück. Im Treppenhaus blieben Zeugnisse wertvoller Innenausstattung erhalten."
Krienke, S. 354, weist darauf hin, dass "der anspruchsvolle Bau ... als einziger im Kreis Mainz-Bingen den Charakter eines Lustschlösschens des Rokoko (zeigt) und ... darüber hinaus als ehem. Besitz einer in Rheinhessen, der Pfalz und Südhessen einflussreichen Adelsfamilie von regionalgeschichtlicher Bedeutung (ist)."
Die Adelsfamilie von Wallbrunn stammte eigentlich aus Ernsthofen im Modautal (Odenwald), ein Seitenzweig besaß auch ein Schloss in Partenheim. Auf eine Anna Catharina von Wallbrunn, 1652 als eine verheiratete von Sponheim verstorben, weist noch ein doppelt verwendetes Epitaph in der Burgkirche hin.

Neben der vermauerten Toreinfahrt des linken Scheunentraktes findet sich ein sog. Allianzstein in Form einer Triumphpforte mit zwei Ehewappen und der Datierung 1593.
Er soll aus dem abgerissenen Nachbargut der Herren von Haxthausen stammen.

"Ein unvergessenes Verdienst erwarb sich 1796 während der französischen Zeit Freifrau von Wallbrunn um ihren Ort. Durch ihren persönlichen Bittgang in das französische Lager zu General Dessaire verhinderte sie das Niederbrennen des Dorfes - ein schlimmes Schicksal, das Schwabenheim nicht erspart blieb." - Der Name einer Querstraße, der ehemaligen "Klappergasse", später "Schulstraße", erinnert daran.

Das sich südlich daran anschließende ca. 450 Jahre alte Gebäude der Familie Hußmann (Oberhofstraße 6), früher wahrscheinlich das Verwaltergebäude der Wallbrunns, wurde 2007 umfangreich saniert, umgebaut und modernisiert und konnte 2007 am Tag der Architektur besichtigt werden.
Gs, erstmals: 25.02.06; Stand: 24.09.11