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Mainz - die Mainzer Stiftsfehde


Erklärung und Kommentar (Gs)

"Anno Christi 1461."

Nach Mainz. Die Geschichte der Stadt, S. 205 ff.

In der Mainzer Stiftsfehde (1459 - 1463) stritten einerseits zwei Prätendenten um den Sitz des Mainzer Erzbischofs, Diether von Isenburg und Adolf von Nassau. In dieses Ringen griffen viele umliegende Territorialherren aus eigennützigen Motiven ein, verbunden war alles mit Kritik an Kaiser und Papst, und schließlich ging es um die Freiheitsrechte der Mainzer Bürgerschaft, die sie in diesem Kampf endgültig verlor.

Im Juni 1459 hatte Dieter die knappe Mehrheit der sieben Mainzer Wahlmänner im Domkapitel hinter sich gebracht und damit einen Abstimmungssieg über seinen Kontrahenten Adolf von Nassau errungen. Er wurde legal der neue Erzbischof. Im Jahr 1461, das Münster fälschlich als das Jahr der Stadteroberung angibt - es war 1462 -, wurde er aber durch den Papst Pius II. abgesetzt, und an seiner Statt wurde vom Papst (unter Missachtung des Wahlrechts des Domkapitels) eines seiner Mitglieder, Adolf von Nassau, zum Nachfolger ernannt.

Diese riskante Aktion hatte Pius schon längere Zeit mit Beschuldigungen Diethers diplomatisch vorbereitet: Er habe bei der Wahl bestochen, habe Gelder nicht nach Rom gezahlt, sei nicht zum Kongress nach Mantua gekommen, auf dem über einen Kreuzzug gegen die Türken beraten wurde u.a. mehr.

Dieses Schisma hatte Auswirkungen auf das ganze Reich, da der Mainzer Erzbischof schließlich Erzkanzler dieses Reiches war und ranghöchster der sieben Kurfürsten. So engagierten sich viele Fürsten und Adlige auf einer der beiden Seiten, meist natürlich aus sehr eigennützigen Motiven. Diether trat einem Bündnis gegen den Pfalzgrafen Friedrich I. bei. In dem sich anschließenden Krieg, in dem beide Seiten Dörfer des Gegners verwüsteten, siegte das Pfälzer Heer bei Pfeddersheim am 4.7.1460.

Auch Ingelheim wurde hineingezogen, wie Münster beschreibt; die Belagerung des Ingelheimer Saals wurde allerdings wieder abgebrochen.

Diether musste eine hohe Kriegsentschädigung zahlen, worauf er erst recht nicht die Gebühren nach Rom entrichten konnte. Daraufhin schloss er nun ein Bündnis mit Kurpfalz für 20 Jahre und trat der Partei jener Fürsten bei, die sich gegen Kaiser und Papst richteten. Ja, Diether von Isenburg wurde sogar Wortführer gegen den als untätig im Reich empfundenen Kaiser Friedrich III. und gegen Pius II.

Ab Mai 1460 gingen nun Kaiser und Papst gemeinsam gegen Diether vor und betrieben seine Absetzung. Der verbündete Kurfürst von der Pfalz wandte sich allmählich von Diether ab, der immer mehr isoliert war. Als Adolf von Nassau als geheimer Gegenkandidat aufgestellt wurde, begann auf beiden Seiten ein erbittertes Ringen um Verbündete, in das zum ersten Mal auch die neue Technik der Druckkunst einbezogen wurde, indem man politische Flugschriften drucken ließ.

Zeitweilig schien durch Vermittlung des Pfalzgrafen ein Kompromiss gefunden zu sein, der Pfälzer ließ sich dafür weitere bis dahin kurmainzische Territorien übertragen und unterstützte nun wieder Diether. Aber beide Seiten rüsteten weiter und im Herbst 1461 begannen die ersten Kriegshandlungen im jeweils gegnerischen Gebiet. Solche Feldzüge, die mit angeworbenen Söldnern durchgeführt wurden, verschlangen riesige Summen, insbesondere waren die Kosten für die neuen Schusswaffen und Kanonen hoch. Aus wirtschaftlichen Gründen konnte Diether zwar die Unterstützung einiger Mainzer Patrizier gewinnen. Eine eindeutige Position bezog der Mainzer Stadtrat jedoch nicht, sondern blieb letztlich passiv, um sich aus dem Schlimmsten heraus zu halten. Die Mainzer Geistlichkeit war ebenfalls gespalten.

In der Nacht zum 28. Oktober 1462 drangen Truppen Adolfs von Nassau in einem Überraschungscoup in die Stadt ein und überwältigten die Gegenwehr der Bürger im Straßenkampf. Es folgten umfangreiche Zerstörungen, Plünderungen und Vertreibungen zahlreicher Patrizierfamilien, Mainz verlor alle seine städtischen Freiheiten und wurde fortan eine kurfürstliche Residenz. Als die Kurpfälzer die Wahl des Bruders des Pfalzgrafen Friedrich, Rupprecht zum Kölner Erzbischof betrieben, drang Friedrich auf eine Vermittlung zwischen Diether und Adolf.

Am 5. Oktober 1463 wurde Frieden zwischen den beiden Kontrahenten geschlossen: Diether verzichtete auf das Erzbistum, wurde aber mit umfangreichen Besitzungen entschädigt. Die Schulden beim Papst übernahm der neue Erzbischof Adolf von Nassau. Mainz blieb unfrei, erhielt aber eine Universität.

 

Gs, erstmals: 26.08.06; Stand: 01.03.17