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"Die Grenadiere" von Heinrich Heine


Autor: Hartmut Geißler


Veröffentlicht wurde Heines Gedicht im "Buch der Lieder" 1827 und vertont 1840 von Robert Schumann, der die Napoleon-Begeisterung Heines teilte.

 

Nach Frankreich zogen zwei Grenadier',
Die waren in Rußland gefangen,
Und als sie kamen ins deutsche Quartier,
Sie ließen die Köpfe hangen.

Da hörten sie beide die traurige Mär:
Daß Frankreich verloren gegangen,
Besiegt und zerschlagen das große Heer -
Und der Kaiser, der Kaiser gefangen.

Da weinten zusammen die Grenadier
Wohl ob der kläglichen Kunde.
Der eine sprach: Wie weh wird mir,
Wie brennt meine alte Wunde!

Der andre sprach: Das Lied ist aus,
Auch ich möcht' mit dir sterben,
Doch hab ich Weib und Kind zu Haus,
Die ohne mich verderben.

Was schert mich Weib, was schert mich Kind,
Ich trage weit beß'res Verlangen;
Laß sie betteln geh'n, wenn sie hungrig sind -
Mein Kaiser, mein Kaiser gefangen!

Gewähr mir, Bruder, eine Bitt:
Wenn ich jetzt sterben werde,
So nimm meine Leiche nach Frankreich mit,
Begrab mich in Frankreichs Erde.

Das Ehrenkreuz am roten Band
Sollst du aufs Herz mir legen;
Die Flinte gib mir in die Hand,
Und gürt mir um den Degen.

So will ich liegen und horchen still,
Wie eine Schildwach im Grabe,
Bis einst ich höre Kanonengebrüll
Und wiehernder Rosse Getrabe.

Dann reitet mein Kaiser wohl über mein Grab,
Viel Schwerter klirren und blitzen;
Dann steig ich gewaffnet hervor aus dem Grab -
Den Kaiser, den Kaiser zu schützen.

                    vertont 1840                                                                errichtet 1844

 

Heinrich Heine, 1797 geboren, war zu seinem Glück noch zu jung, um einen der Feldzüge Napoleons mitmachen zu müssen, noch jünger war Robert Schumann, geboren 1810. Beide hatten also keine persönlichen Erfahrungen sammeln müssen mit dem hunderttausendfachen Elend und Tod in Russland und auch in Spanien. Zu den Zahlen der Verluste siehe hier!

 

Gs, erstmals: 21.12.05; Stand: 09.02.17