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Die sog. Annales Xantenes über das Jahr 826


Autor: Hartmut Geißler


In den "Annales Xantenses" (dMGH, SS Rer. Germ. 12, S. 6-7) finden sich zu den Jahren 825-827 folgende Notizen:

"Anno DCCCXXV. Haistulfus archiepiscopus Magontiae civitatis obiit, et successit in locum eius Otgerus capellanus dominicus.

Anno DCCCXXVI. Ludewicus imperator habuit sinodum episcoporum ad Ingulunheim, et illic venit multitudo ad eum Nordmannorum, et princeps eorum nomine Herioldus baptizatus est et uxor eius, et cum eis plus quam CCCC homines promiscui sexus. Ex eo tempore multa mala increverunt a gentilibus super aecclesiam catholicam.

Anno DCCCXXVII. Venerunt corpora sanctorum Marcellini et Petri de Roma, et Ludewicus rex accepit in coniugium sororem Iudith imperatricis."

Übersetzung:
Im Jahr 825. Der Erzbischof Haistulf starb in Mainz, und es folgte an seine Stelle der Domkaplan Otger.

Im Jahr 826. Der Kaiser Ludwig hielt eine Bischofssynode bei Ingelheim ab, und dorthin kam eine Menge Normannen zu ihm, und ihr Anführer mit Namen Heriold wurde getauft ebenso wie seine Frau und mit ihnen mehr als 400 Personen beiderlei Geschlechtes. Und seit dieser Zeit vermehrten sich die vielen Gräueltaten der Heiden an der katholischen Kirche.

Im Jahr 827. Es kamen die Reliquien der Heiligen Marcellinus und Petrus aus Rom (für Einhard aus Rom entwendet) und der König Ludwig bekam als Ehefrau die Schwester der Kaiserin Judith.


Die sog. Annales Xantenses sind eine annalistische Textsammlung mehrerer kirchlicher Autoren des späteren 9. Jahrhunderts, die keine direkten Beziehungen zur Hofkapelle der Karolinger gehabt zu haben scheinen. Der für das Jahr 826 vermutete Verfasser hatte, so wird angenommen, genaue Kenntnis von den damals wiederholten verheerenden Normannenüberfällen an der Küste. Er berichet, wie man sieht, bevorzugt über kirchliche Ereignisse und nennt die Reichsversammlung(en) einseitig verfälschend Bischofsynode.

Was seine Bemerkung zum Jahr 826 angeht, so wird einerseits deutlich, welches Gewicht er – wie Ermoldus! – der Taufe eines Normannenkönigs beimisst, der mit Frau und mehr als 400 Personen (!) beiderlei Geschlechtes getauft worden sei. Die Personenzahl scheint wie die Zahlen bei Ermoldus übertrieben zu sein. Es ist wie bei Theganus sein einziger Vermerk zu diesem Jahr.

Er erwähnt dabei nicht, dass Heriold in St. Alban getauft wurde, während die Synode (bzw. Reichsversammlung) in Ingelheim stattfand.

Er (oder ein späterer Abschreiber) schließt diese Jahresnotiz - anders als der jubelnde Ermoldus - mit der pessimistisch-sarkastischen Kommentierung, dass seit dieser Zeit die Bedrängnis der Christenheit durch die Heiden – gemeint sind gewiss die Normannen – noch anwuchs: "multa mala increverunt""viele schlimmen Dinge wurden stärker". Hielt man am Niederrhein die Missionierungspolitik Ludwig für das falsche politische Konzept, um mit den Normannen ein friedliches Verhältnis herzustellen?

 

Gs, erstmals: 07.10.09; Stand: 04.04.18