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Die Vita Anskarii zum Jahr 826


Autor: Hartmut Geißler
aus den MGH SS 2, cap 7-8, S. 694-696

Am Ende des vorhergehenden Kapitels 6 berichtet Rimbert, Ansgars Nachfolger als Bischof von Bremen und Erzbischof von Hamburg, dass Ansgar 822 aus Corbie nach Nova Corbeia, also ins neue, von Karl dem Großen gegründete Kloster Corvey bei Höxter an der Weser, berufen wurde, als Lehrer und Prediger.

Das Kapitel 7 (s.u.) beginnt mit der Reise des vertriebenen Dänenkönigs Harald zu Ludwig. Ludwig und andere sollen ihm mehrfach geraten haben, sich zum Christentum zu bekennen und sich taufen zu lassen. Eine Hilfe sei leichter, wenn beide dieselbe Religion hätten. Harald/Heriold (und sein Gefolge) ließ sich überzeugen und taufen. Dabei soll Ludwig ihn sogar als Sohn adoptiert haben. Wo diese Zeremonie stattfand, schreibt Rimbert nicht.

Anschließend berichtet er ausführlich von der Suche nach geeigneten Begleitern, die Harald bei seiner Rückreise nach Norden unterstützen könnten, auch zur weiteren Missionierung dort. Beratungen darüber sollen "in publico conventu optimatum suorum cum sacerdotibus suis ceterisqie fidelibus" (Ende S. 26) stattgefunden haben, also "auf einer öffentlichen Versammlung seiner Kronvasallen mit seinen Geistlichen und den anderen Gläubigen". Dies dürfte ein Hinweis auf die Reichsversammlung in Ingelheim sein, obwohl der Ort selbst nirgendwo genannt wird.

Als alle Gefragten ablehnten (S. 27), schlug der Abt Wala (von Corvey) einen seiner Mönche dazu vor, nämlich Ansgar. Auf Befehl des Königs Ludwig wurde dieser "ad palatium", also in den Palast, gerufen. Er scheint mit der "familia" (dem Gefolge) des Abtes aus Höxter schon nach Ingelheim gekommen zu sein und musste nur aus dem Haus ("domo"!) des Abtes in die Versammlung zum König gerufen werden.

Ansgar erklärte sich bereit, Harald zurück zu begleiten, was ja nicht ungefährlich war, auch gegenüber dem König persönlich. Er setzte allerdings beim Abt durch, dass ihn ein weiterer Bruder begleiten sollte, Autbert. Beide wurden nochmals zum König gerufen (S. 29 oben), der sie zu diesem Entschluss beglückwünschte und sie mit allem Nötigen für die Reise ausrüstete (religiöse Gegenstände, Truhen, Zelte u.a.) und Harald anvertraute. Weitere Bedienstete (Messdiener?) bekamen sie nicht mit, weil sich niemand mehr aus dem Gefolge des Abtes oder sonst jemand dazu bereit erklärte. Auch Harald als Neubekehrter wusste ebenso wie seine gleichfalls getauften Begleiter nicht, was oder wen man zu einer Messe brauchte.

Anscheinend sind sie deshlab unter ungünstigen Umständen den Rhein hinab gereist (im Heriolds Boot oder sind sie geritten?) ("Cum gravi itaque difficultate hanc suscipientes peregrinationem, perverunt Coloniam."); erst als sie nach Köln kamen, gab ihnen der dortige Erzbischof Hadebald sein bestes Schiff ("dedit eis navem optimam") mit zwei Kajüten, deren eine Harald mit Ansgar zusammen bezog, so dass sie sich anfreunden konnten.

Das liest sich doch ganz anders als der großartige Aufbruch vieler Schiffe in Ingelheim, von dem Ermoldus schreibt. Von Köln reisten sie über die alte Handelsstadt Dorestad (heute "Wijk bij Duurstede", Provinz Utrecht) nach Friesland, in die Nähe dänischen Herrschaftsgebietes, wo Harald aber nicht wieder Fuß fassen konnte. Deswegen gab ihm Kaiser Ludwig ein Lehen an der Elbe als Land.


Was kann man dem Bericht für die Taufe Haralds entnehmen?

Die Taufe stand im Zusammenhang mit politischen und missionarischen Aspekten. Die politischen Verhandlungen wurden in der Pfalz Ingelheim durchgeführt, wohin auch Kirchenleute gekommen waren, z. B. der Abt Wala von Corvey mit seinem Gefolge. Wo die eigentliche Taufe stattfand, erfahren wir in diesem Bericht nicht; er spricht aber auch nicht gegen die Annahme von St. Alban bei Mainz, ein Ort, der möglicherweise für die Kleriker damals so selbstverständlich war, dass er keiner besonderen Erwähnung bedurfte.


Der Text aus den dmgh als Scan:

 

Gs, erstmals: 08.10.09; Stand: 20.10.17